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Miku82

Killerspiele und Magersucht

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von am 25.09.2009 um 23:22 (156 Hits)
Killerspiele und Magersucht - passt das zusammen? Ja, durchaus. Beidem ist mehr gemein als manch einer vermuten würde.

Killerspiele müssen verboten werden. Eigentlich fast alle Videospiele. Ach so bös sind sie, machen unsere arme Jugend, die keine Sorgen und Probleme hat, unversehens zu Amokläufern. Gestörtes Elternhaus? Einsamkeit? Leistungsdruck? Sozialer Druck? Konkurrenzerziehung? Nein, doch nicht in unserem Traumland!

Die Wahrheit ist: Man darf diese Dinge nicht sehen, nicht ansprechen. Denn dann müsste man ja etwas tun. Die Gesellschaft will blind sein. Und so müssen eben Sündenböche herhalten. Gerne Computerspiele. Natürlich hat jeder jugendliche, männliche Amokläufer Shooter gespielt. So wie fast jeder "normale" männliche Jugendlicher auch.

Und Magersucht? Magersucht ist der Amoklauf. Denn hier greft das selbe Prinzip der Öffentlichkeit. Die Gesellschaft will nicht sehen, dass Elternhaus, Erziehung, Leistungsdruck, etc. die Gründe für diese zuweilen tödliche Krankheit sind. Dann müsste die Gesellschaft ja umdenken, etwas ändern, sich selbst Fragen stellen. Aber glücklicherweise kann man auch hier Sündenböcke finden, denen man die Schuld geben kann, um sich selbst zu beruhigen: Wir können nichts dafür.
Die Sündenböcke hier heißen: Models und Pro-Ana.

Oh, das arme Mädchen ist magersüchtig? Hm... und das in unserer tollen, perfekten Gesellschaft? Nein, es gab sicher keinen Missbrauch, kein Perfektionsdruck, keine Zwänge, keine Erziehungsfehler, kein Mobbing, nein, nein, nein! Doch nicht hier, nicht bei uns! Oh, sie hat mal in einer Zeitschrift Models gesehen, und ohm, die waren dünn. ja, DAS muss es sein!

Aber die kann man nicht so gut verbieten wie Videospiele, die haben ja auch mehr Lobby. Aber hey, es gibt ja essstörungsverherrlichende Seiten und Foren im Internet (Pro-Ana), die sind sicher auch schuld! Egal, ob die Leute dort schon krank sind, und ob sie nur ihre positiven Gefühle bezüglich Magersucht benennen - wie in vielen Selbsthilfegruppen auch: Das ist böse, das müssen wir bekämpfen. Das ist unser Sündenbock.

Merke: Die Gesellschaft benötigt immer Sündenböcke, um vor ihren wahren Problemen flüchten zu können. Amokläufer und Magersüchtige sind gleichsam Opfer der Gesellschaft, sind über einen langen, mituinter recht ähnlichen, Weg krank geworden. Und beiden ist gemein, dass der öffentliche Aufschrei verbunden wird mit der Bekanntgabe von vermeintlich Schuldigen. Ohne die ahren Probleme zu bekämpfen, ohne sich mit den Sündenböcken zu beschäftigen.

Letzlich variiert zwar die Form: Der Amokläufer ist extrovertiert, richtet seine Aggression nach außen. Die Magersüchtige ist introvertiert, richtet ihre Aggression nach innen. Aber der Weg dorthin läuft parallel; und auch das System der Gesellschaft reagiert letzlich gleich. So haben beide durchaus einiges gemeinsam - und die Sündenböcke, die sich mit Feindschaft und Vorurteilen der Masse auseinandersetzen muss, erst recht.

Darum: gegen Vorverurteilungen, Sachlichkeit und vor allem Bekämpfung der wahren Probleme innerhalb der Gesellschaft! Solange das nicht geschieht, wird es auch in Zukunft immer mehr Amokläufe, immer mehr Essgestörte geben. Leider.

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Kommentare

  1. Avatar von d.night
    ich finde den Vergleich schon etwas...gewagt.

    Natürlich gibts Paralelen. Aber ich würde es trotzdem nie wagen, jemand mit Magersucht, oder von mir aus einen Fettsüchtigen (das andere Extrem), einen Junkie oder von mir aus einen Alkoholiker mit einem Amokläufer zu vergleichen.

    Was mich außerdem ankotzt ist, dass in unserer Gesellschaft wieder mal die Täter zu Opfern gemacht werden. Da dreht so ein Psycho durch, tötet ein paar Menschen und alle würden ihn am liebsten umarmen, den armen, kleinen Irren.