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Obihörnchen

Ohnmächtig

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von am 17.06.2009 um 13:30 (146 Hits)
Wir haben uns den Mund fusselig geredet, wir haben geschrieben, wir haben Unterschrieben, wir haben telefoniert und wir haben T-Shirts getragen. Am Ende hat uns das alles nicht viel gebracht. Am Ende gilt nun doch "Wer am lautesten Schreit hat immer recht!?

Die ePetition "Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten" ist mit (vorläufig) 134.014, also Einhundertvierundreißigtausendundvierzehn Mitzeichnern die meistgezeichnete ePetition seit Einführung des Systems beim deutschen Bundestag. Damit wurde der ehemalige Rekordhalter, eine Petition zum Spritpreis, welche von der BLÖD-Zeitung gepusht wurde, um etwa 6.000 Stimmen übertroffen. Die nötigen 50.000 Stimmen für eine Anhörung im Bundestag waren nach nur vier Tagen erreicht. Das vereinte Internet feiert sich. Und doch sind die Konsequenzen verschwindend gering.

Seit die SPD am Dienstag umgefallen ist, steht einem Pseudo-KiPo-Sperr-Gesetz Tür und Tor offen. Es wird vom Dammbruch, vom Öffnen der Büchse der Pandora gesprochen. Man scheint einen faulen Kompromiss eingegangen zu sein und die Internetnutzer haben nun in der SPD einen weiteren Buhmann neben Zensursula und dem Guttenzwerg gefunden. Es ist deprimierend wie wenig man gegen Wahlkampfgehabe, Symbol- und grundgesetzfeindliche Politik ausrichten kann. Noch viel deprimierender ist es, wenn man immer noch nicht verstanden wird und Dinge wie dieselesen muss. Alle Argumente gegen die Sperren scheinen ins Leere zu laufen. Wie kann man sich diesen Umstand erklären? Es muss doch einen Grund dafür geben, dass man ohnmächtig zuschauen muss, wie einem die Rechte abgenommen werden. Die Schuld allein bei Politikern zu suchen, halte ich da für wenig sinnvoll.

Wir sind doch selbst schuld. Für ein Gros der Menschen in Deutschland ist die Technik hinter dem Netz immer noch ein Buch mit Sieben Siegeln. Selbst wer täglich social-Websites, Nachrichtendienste und Podcasts nutzt, hat oft keine Ahnung, was dahinter steckt. Computer an, Router an, YouTube an. Wie soll man da beurteilen, wie sinnvoll die Sperren sind? Wer hört, dass eben nur Kinderpornoseiten gesperrt werden sollen, macht einen Haken und nickt ab. Wenn später Gerüchte aufkommen, dass Unwahrheiten und seltsame Konstellationen der Unterstützer der Sperren im Spiel waren, bekommt man das eventuell gar nicht mehr mit. Eine Stufe internetferner sieht die Situation noch katastrophaler aus. Wie versucht man jemandem zu erklären, was die Politik dort mit dem Internet macht, wenn das Gegenüber über keinerlei Grundwissen verfügt? In meinen Augen helfen da auch Nerd-Demos und das Aufhängen von Plakaten bei Ursulas Reden wenig. Die eigentliche Botschaft wird verkannt, wenn man sich im Vorfeld mit dem Thema nicht beschäftigt hat. Das ist ein Problem, welches sowohl auf der Seite der Internetaffinen, als auch auf der Seite der Internetfernen zu verorten ist. Den einen fehlt die Grundlage, damit sie schnell und sachlich informiert werden können und den anderen fehlt unter Umständen ein wenig Empathievermögen. Dass solche Aktionen vor allem Aufmerksamkeit bringen, mag man ihnen gar nicht absprechen, dennoch ist diese Aufmerksamkeit von unterschiedlichem Erfolg gekrönt, wenn man sie darauf bezieht Menschen zu mobilisieren und mündig zu machen.

Dann sind da noch die Gutmenschen. Eine Personengruppe, die auch der Piratenpartei Schwierigkeiten bereiten wird, wenn sie irgendwann von einer breiteren Masse ernstgenommen werden will. Forderungen, die über die Vernunft hinaus gehen, sind für die Offline-Medien wesentlich besser zu verwerten und sprechen sich demzufolge unter den Kabellosen schneller rum. Dies ist absolut kontraproduktiv für die eigentliche Sache. So werden schnell Filesharing, Kinderpornos und Killerspiele in einen Sack gesteckt und auf ihnen herumgeprügelt. Solche Dinge lassen sich für Politiker dann wunderbar im Wahlkampf verwursten.

Dass die "Bewegung? der Internetnutzer von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, denke ich aber nicht. Es wurde einfach auf die falschen Medien gesetzt. Wie soll man auch internetferne Menschen mit dem Internet erreichen? In der Tat ist es enorm schwer die Brücke zwischen den Welten zu schlagen. Ein Thema, welches fernab meiner Lebensumwelt ist, muss für eine große Masse von Menschen schon einen enormen Stellenwert haben, um mich erreichen zu können. Und dass ich am Ende möglicherweise doch informiert bin, mobilisiert mich dann immer noch nicht zwangsläufig dazu, selbst tätig zu werden.

Schade, dass wir kein Sommermärchen erleben durften, aber vielleicht geschieht noch ein Wunder.
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