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Ragnarok

Chernobyl Diaries ? Eine Filmkritik

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von am 21.12.2012 um 16:16 (503 Hits)
Strahlender Horror oder verstrahlter Nonsens?

Oren Peli ist manchen vielleicht ein Begriff durch den Low-Budget-Horrorfilm "Paranormal Activity". Der erste Teil der Geisterreihe wurde mit einem Budget von 11.000 Dollar gedreht und spielte mehrere Millionen Dollar ein. Wirtschaftlich also ein voller Erfolg. Mit "Chernobyl Diaries" hat Oren Peli nun einen weiteren Low-Budget-Horrorfilm erschaffen.

Zugegebenermaßen ist ein Film über einen gewalttätigen Geist nicht für jeden etwas. Mit dem neuen Streifen begibt sich der Filmemacher in eine unweit realere und bedrohlichere Situation ? Die verstrahlte Einöde Tschernobyls.

Jeder sollte von der Reaktorkatastrophe aus dem Jahr 1986 gehört haben, auch wenn man zu der Zeit noch nicht mal geboren war. Durch die Simulation (!) eines vollständigen Stromausfalls im Atomkraftwerk kam es zu einem unkontrollierbaren Leistungsanstieg im Kernreaktor Nummer 4, welcher daraufhin explodierte und gefährliche radioaktive Strahlung freisetzte. Die Gegend wurde in einem Umkreis von 30 Kilometern evakuiert. Sämtliche Tiere in der Gegend wurden erlegt. 300.000 Hektar Erde wurden vom Reaktorgelände abgetragen und in Gräben mit Beton versiegelt. Der havarierte Reaktor wurde und wird bis heute mit einem "Sarkophag" aus Stahl, Beton und Blei verhüllt. Die ganze Region ist für zehntausende von Jahren unbewohnbar.

Wieso sollte man also dahin reisen? Extremtourismus! Der Film beginnt mit dem Europa-Trip des US-Amerikaners Chris, seiner Freundin Natalie und deren Freundin Amanda. In Kiew, Ukraine, besuchen die drei Chris? älteren Bruder Paul. Dieser schlägt ihnen einen aufregenden Ausflug nach Tschernobyl vor. Chris ist als einziger skeptisch, doch er wird von den anderen überstimmt und so machen sie sich auf den Weg zum Büro ihres "Guides", dem ehemaligen Soldaten Yuri. Gemeinsam mit den Backpackern Zoe und Michael bricht die Gruppe dann mit einem Geländewagen in die Geisterstadt Pripyat auf, nur wenige Kilometer vom Unfallort entfernt.

An einem Militärcheckpoint werden die Touristen zunächst nicht durchgelassen. "Wartungsarbeiten" ist die Begründung der Soldaten. Doch Yuri hat den jungen Leuten einen Trip versprochen und denen liefert er ihnen auch. Er lenkt den Wagen über einen Schleichweg durch einen Wald. So gelangen sie nach Pripyat. Nach einem ereignisreichen Tag beginnt dann am Abend der Horror...

So viel zur Geschichte. Klingt im ersten Moment nicht wahnsinnig aufregend und das ist es am Ende auch nicht. Kategorisieren lässt sich der Film in "Teen-Horror" und teilweise in "Found Footage". Es werden junge, unverbrauchte Gesichter genutzt, denen man allerdings auch anmerkt, dass sie über wenig Schauspielerfahrung verfügen. Lediglich der Darsteller von Chris, Jesse McCartney, ist dem einen oder anderen vielleicht auch als Sänger bekannt. Die Besonderheit bei diesem "Found Footage"-Film ist, dass die Protagonisten keine Aufnahmen selber machen. Sie werden immer von einem Kamerateam mit wackelnden Handkameras umrundet. Jedoch entsteht durch den besonderen Einsatz der Kameras, der Eindruck, dass man es durch die Augen der Gruppe sieht und ganz nah dabei ist.

Dennoch könnte man fast meinen, dass hier zwei Filme zusammengemixt wurden. Die erste Hälfte des Films ist ruhig und bedrückend. Bis auf die Anfangssequenz ist der Film ohne jegliche Musik unterlegt. Die beunruhigende Stille schlägt sich vor allem in der Geisterstadt und deren Erkundung nieder. Die paranoide und mysteriöse Atmosphäre lässt sich förmlich greifen. Man spürt, dass in der Geisterstadt irgendetwas lauert. In der zweiten Hälfte des Films wird diese Atmosphäre konsequent mit dem Hintern eingerissen. Sie ist geprägt durch Dunkelheit und die Flucht der jungen Leute vor der lauernden Bedrohung aus der Geisterstadt. Das bedeutet, es gibt viele Verfolgungssequenzen und hektische Schwenks. Diese wechseln sich häufig mit ruhigen Bildern ab, in denen man meinen könnte, dass minutenlang nichts passiert und man auf einen Schock wartet. Leider können die Schockeffekte nicht verpuffen, weil sie gar nicht erst auftreten. Die ganze Geschichte ist leider sehr vorhersehbar und ohne wirkliche Höhepunkte. Sie wirkt einfach sehr zusammengewürfelt und viele Szenen ohne wirklichen Zusammenhang.

In vielen Rezensionen auf Amazon wird kritisiert, dass die Bilder manchmal zu dunkel sind, um etwas zu erkennen. Einerseits lässt sich das durch die vielen Situationen bestätigen, in denen man das Gefühl hat, dass längere Zeit nichts passiert. Andererseits kann das auch als Stilmittel abgetan werden, um ein paar Gruselmomente zu erzeugen. Jeder sollte für sich selbst entscheiden, ob das so greift oder nicht.

Persönlich würde ich doch eher vom Anschauen des Films abraten, da es nur vergeudete Zeit und verschwendetes Geld ist. Der Film ist kein wirklicher Trash-Horrorfilm, aber an Genre-Referenzen kommt er auf keinen Fall ran.
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Kommentare

  1. Avatar von StHubi
    Die Kritik ist nicht schlecht geschrieben. Du hättest den Test am besten als Test für die Hauptseite eingereicht. Film-Kritiken passen dort meist besser hin...
  2. Avatar von Ragnarok
    Da gibt es das Problem, dass Chernobyl Diaries leider nicht in den Produkten geführt wird.
  3. Avatar von StHubi
    Für das nächste mal, dann einfach hier den Artikel vorschlagen.

    Oder einen der Moderatoren anschreiben... Sorry, dass ich das jetzt nicht mache, aber meine Internetverbindung ist momentan SEHR instabil (ich fliege alle paar Minuten raus, UMTS from hell!)

    Manche meiner Tests habe ich auch ohne Produkt in der Datenbank angelegt. Das wurde dann meist netterweise nachgetragen, so lange irgend eine Kategorie vorhanden war.