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Savage

Beitrag zur Literatur.Club Themenwoche - Gejagt

Bewertung: 10 Stimmen mit einer durchschnittlichen Bewertung von 5,00.
von am 05.06.2008 um 22:03 (101 Hits)
Dies hier ist wieder ein kleiner Beitrag zur Themenwoche des Literaturclubs. Dieses Mal sollte eine Kurzgeschichte mit freier Themenwahl verfasst werden. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
Gejagt

Nur wenige Sonnenstrahlen drangen durch das dichte Blätterdach des Dschungels und streiften mit rötlichen Fingern aus Licht den Boden. Die verschiedenen Blätter waren noch feucht vom letzten Regenschauer und vereinzelt glitzerten große Tropfen an ihren Spitzen. Es war schwülwarm und die Luft wurde langsam wieder von unterschiedlichen Tierlauten erfüllt.
Ein großes Insekt wagte sich vorsichtig unter einigen Blättern hervor, wo es Schutz vor dem Regen gesucht hatte. Die Flügel wurden entfaltet und ein paar mal schnell geschlagen um die kleinen Tropfen abzuschütteln, die irgendwie ihren Weg darauf gefunden hatten. Dann erhob sich das Wesen in die Luft.
Hunger hatte es aus seinem Versteck getrieben und schon nach kurzer Suche entdeckte das Insekt ein lohnenswertes Ziel. Wie ein Stern leuchtete die große Blüte, mit ihrem kräftigen Violett, das zum Rand hin sanft in weiß überging, aus dem satten Einheitsgrün heraus. Das Wesen nahm diese Farbe noch viel deutlicher wahr und landete sogleich im Kelch der Blume.
Noch bevor es jedoch sein Mahl beginnen konnte, stürzte eine Gestalt durch den Strauch und das Insekt wurde davon geschleudert.
Der Störenfried war ein junges Katzenmädchen, das stolperte und kurz auf allen Vieren landete. Das gelb-schwarz gestreifte Fell war durch die nasse Umgebung zu Strähnen verklebt, ebenso wie das leicht rötliche Kopfhaar. Gehetzt blickte sie sich um und spitzte die großen Katzenohren. Ihr Atem ging schnell und in kurzen Stößen. Die grünen Augen, die hektisch umher irrten, bemerkten nichts außergewöhnliches, doch die Ohren vernahmen in kurzer Entfernung ein verräterisches Knacken.
Sofort war Katavi wieder auf den Beinen. Sich jetzt einfach ein Versteck zu suchen, wäre zu gefährlich gewesen, also lief sie weiter. Bei jedem Schritt versanken ihre Zehen im feuchten, bewachsenen Boden, was sie langsamer machte und auch ihre ansonsten beinahe lautlosen Bewegungen verriet. Das Mädchen umrundete einen größeren Busch und erblickte dahinter eine kleine Gasse zwischen den Bäumen und Sträuchern ? wohl ein Wildpfad. Sie setzte zu einem Spurt an.
Erst wenn sie genug Platz zwischen sich und ihren Verfolger gebracht hatte, machte es Sinn, sich wieder leiser zu bewegen und ein Versteck zu suchen. Der Pfad folgte einer leichten Biegung nach links und führte dann sofort scharf nach rechts. Vereinzelte nasse Blätter peitschten Katavi ins Gesicht und um die Schultern. Das war sogar eine willkommene Erfrischung da das schwülwarme Wetter ihr den Schweiß auf die Stirn trieb. Ihr Herz schlug hart und schnell, denn die Flucht dauerte nun schon eine Weile an. Wie lange würde sie noch durchhalten, bis ihre Kraft sie im Stich ließ?
Das junge Mädchen wagte einen Blick über die Schulter, ohne jedoch im Laufen inne zu halten. Die einzigen Bewegungen, die sie wahrnehmen konnte, waren schaukelnde Büsche, die sie selbst gestreift hatte. Ein kleiner Hoffnungsschimmer glomm in ihr auf. Sie wandte sich wieder nach vorne.
?einen Augenblick zu spät.
Dem tief hängenden Zweig eines dornenbewährten Strauches konnte sie nicht mehr ausweichen. Er streifte ihre rechte Wange, drang durch das Fell und riss die Haut darunter auf. Katavi konnte einen kurzen Schmerzenslaut nicht unterdrücken und hasste sich selbst dafür. Sie setzte noch mal zu einem kurzen Spurt an, doch nach zwei weiteren Biegungen versagte ihre Kraft vollends.
Das Katzenmädchen ließ sich wieder auf Hände und Füße fallen und verließ sofort den Pfad. Sie bog scharf nach rechts ab und krabbelte unter einem Busch hindurch. Nun waren ihre Bewegungen kaum noch zu hören. Bis sie etwa fünfzig Schritte zwischen sich und den Weg gebracht hatte, blieb sie nicht stehen. Dann erreichte sie eine kleine Mulde und kauerte sich darin zusammen.
Eine Weile blieb sie so liegen und versuchte mit möglichst leisen Atemzügen ihre brennenden Lungen und ihr hämmerndes Herz zu beruhigen. Während dieser Zeit hörten ihre außergewöhnlichen Ohren kein verdächtiges Geräusch. Hatte sie es womöglich wirklich geschafft? Katavi wurde mutiger. Sie legte ihre Ohren zurück und spähte über den Rand der Mulde.
Der Dschungel lag friedlich und bewegungslos da. Insekten kreisten in der Luft und letzte Tropfen fielen von den Blättern. Es war nichts Verdächtiges zu sehen. Langsam kroch sie wieder zurück und legte sich auf den Rücken. Ihr Atem hatte sich ein wenig beruhigt. Während das Mädchen die Wunde an der Wange abtastete und klebriges Blut spürte, fragte sie sich, wie lange sie noch warten sollte.
Nicht weit von ihr entfernt wurde ein Vogel aufgeschreckt, der laut schimpfend davon flog. Augenblicklich waren ihre Nerven wieder bis zum Zerreißen gespannt und ihre Sinne geschärft. Abermals wagte sie einen Blick über den Rand der Mulde. Es war nichts zu sehen.
Plötzlich brach etwas durch den Busch hinter ihr. Ein lautes Brüllen begleitete die Gestalt. Mit einem Aufschrei fuhr Katavi hoch. Alle Anspannung wurde schlagartig frei. Das Mädchen dachte Instinktiv nur noch an eines: Flucht. Sie wollte aus der Mulde stürzen und das Weite suchen. Ihre Bewegungen waren aber ein klein wenig zu langsam. Eine Klaue packte sie am Oberarm und hielt sie unerbittlich fest. Erneut schrie das Mädchen auf und der Angreifer konnte ihrem Kraftausbruch nicht Stand halten. Er verlor das Gleichgewicht und beide stürzten über den Rand der Mulde.
Katavi rollte sich schnell herum, so dass sie oben auf war. Mit einem Satz sprang sie vom Angreifer herunter und landete zwei Schritt weiter, wo sie mit gesenktem Kopf in die Hocke ging und fauchte. Eine eindeutige Angriffsstellung. Die andere Gestalt hingegen blieb liegen und begann lauthals zu lachen.
Die Anspannung wich von dem Mädchen. "Tamind, du bist so ein Idiot!" schimpfte sie. Einzelne Tränen des Schocks rollten über ihre Wangen.
Der Katzenjunge, der augenscheinlich älter als Katavi war, rollte sich in ihre Richtung und stütze sich auf den Ellbogen ab. Er lachte immer noch ein wenig. "Wieso? Ich sollte dich doch fangen und genau das hab ich auch gemacht! Du hast so lustig ausgesehen! Und dein Schwanz?!" Sein Gelächter begann von neuem und nun hatte auch er Tränen in den Augen.
Katavi Blickte kurz an sich herab. Ihr Schwanz war trotz der nassen Haare total buschig und mindestens auf das doppelte seines Umfanges angewachsen. Beleidigt und gekränkt stand sie auf und sah nach links auf den Boden.
Da verstummte Taminds lachen. "Katavi, was?" Er rappelte sich schnell hoch und trat näher an sie heran. "Du blutest! Tut mir leid, das wollte ich nicht?"
Er hob die Hand und wollte sie an ihre Wange legen, als das Mädchen schlagartig nach seinem Unterarm griff. Einen Augenblick lang grinste sie ihn an und schon lief sie wieder davon. Tamind blieb überrascht stehen. "Du bists wieder!" rief sie über die Schulter hinweg und sprang durch den nächsten Busch.
Überrumpelt ließ der Katzenjunge seinen Kopf hängen. "Oh nein, nicht noch mal von vorne?"

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Kommentare

  1. Avatar von Alexboy
    wunderbare Worte und Sätze.
    Du schreibst eindeutig zu wenig Geschichten.
    Würde gern öfter was lesen.

    Gruss
    Alexboy
  2. Avatar von Felth
    echt süß!! da kenn man nur n grinsen ins gesicht krigen!