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Sebpinio

Zocken ? ein ganz normales Hobby...

Bewertung: 16 Stimmen mit einer durchschnittlichen Bewertung von 5,00.
von am 14.04.2010 um 20:59 (424 Hits)
...nicht besser und nicht schlechter als andere Hobbys.
Nun habe ich mich entschlossen meinen ersten Blog zu schreiben. Zur Übung wähle ich ein Thema, dass in dieser Community wohl nicht allzu kontrovers sein dürfte. Trotzdem und auch, wenn es wahrscheinlich hier schon halb tod diskutiert wurde, ist es mir ein Bedürfniss darüber ein paar Zeilen zu verlieren.

Mit meinen jetzt 33 Jahren, zähle ich mich schon zu den Spielern der (beinahe) ersten Stunde, und auch mich schockieren und vor allem verwirren die Vorwürfe, die man so als passionierter Spieler über sich ergehen lassen muss. Diese Vorwürfe, kommen nicht selten aus Richtungen aus denen ich mir mehr Kompetenz wünsche und auch versprechen sollen könnte. Poltiker und Experten, die eigentlich in der Lage sein sollte sich kontrovers mit einem Thema auseinanderzusetzen lassen sich dazu hinreißen unüberlegte und unfundierte Aussagen öffentlich zu tätigen, die ihrerseits wieder eine Unzahl von Lobbyisten auf den Plan rufen.
Und dabei währe es so wichtig, allein aufgrund der bestehenden Ängste in unserer Gesellschaft, das Thema Computerspiele durchaus kontrovers aber gemäßigt und fundiert zu diskutieren.

Mich ärgert dabei nicht nur die wirklich haarsträubenden Verbindungen die aus dem Spielen von Ego-Shootern und dem begehen von Amokläufen ein reines Reiz-Reaktions-Schema machen ? wobei ich das Thema sicher nicht verharmlosen möchte. Sondern auch die landläufige, von Vorurteilen überfrachtete und von feindseeligkeit gekennzeichnete Geringschätzung, die man diesem Hobby entgegenbringt.

Woher diese feindseeligkeit kommt kann ich nur spekulieren. Sicher spielt dabei auch die Angst vor dem Unbekannten eine Rolle. Man bedenke nur wie lange das Buch darum kämpfen musste um anerkannt zu werden. Zum Glück liegen die letzten Bücherverbrennungen schon eine Weile zurück und die Menschen sind wohl diszipliniert genug von einer ganz so drastische Hetzjagt auf Videospiele abzusehen. Trotzdem haben die Kampagnen gegen das Spielen von Videospielen häufig einen Charakter, der an eine Hexenjagd erinnert.
Ein weiterer Aspekt, der zu dieser unangebrachten Kritik an Videospielen führt ist aber meiner Meinung auch die mangelnde Fähigkeit unserer Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen.
Wie beruhigend muss es sein schreckliche Geschehnisse wie einen Amoklauf auf so etwas einfaches wie den schädlichen Einfluss von Computerspielen, oder Medien im allgemeinen zurückzuführen.

Ich vertrete die Auffassung, dass das Spielen von Computerspielen nicht besser und nicht schlechter als jedes andere Hobby ist. Selbstverständlich pflegt man, zumindest beim Spiel allein, keine Sozialkontakte. Und auch ich bin der Meinung, das Onlinekontakte nicht gleichzusetzen sind mit dem zwischenmenschlichen Kontakt von Angesicht zu Angesicht. Jedoch trifft auch zu wenn ich lese oder male. Beides Beschäftigungen mit einem weitaus besseren Ruf als das Computerspielen.
Die Liste, der Kompetenzen, die man durch das Spielen vernachlässigt ist ebenso lang wie bei anderen Hobbys, und auch hierbei kommt es wie so oft auf das richtige Maß an. Und es gibt wie bei vielen anderen Hobbys eine entsprechende Anzahl an Fertigkeiten die man bei seiner Ausübung weiterbildet. Trotzdem haftet dem Computerspielen ein schlechter Ruf an.

Ich möchte dafür ein Beispiel geben. Ein 13 Jahre alter Junge, der in den Herbstferien an einem verregneten Tag , an dem alle seine Freunde mit ihren Eltern im Urlaub sind stundenlang den neuen Harry Potter ließt wird dafür eher Verständniss ernten, als wenn er die selbe Zeit mit dem Spielen am Computer verbringt. Völlig unabhängig davon, ob er altersangemessene Software verwendet oder nicht.
Ließt dieser betreffende Junge, mag seine Mutter vielleicht sogar denken, und damit angeben, wie klug und belesen er ist. Sie freut sich über die Ausdauer mit der sich ihr Sohn die Geschichte erschließt.
Verbringt der Junge die Zeit vor dem Bildschirm kann es schnell zu einer aus der Küche gerufenen Aufforderung kommen den Kasten endlich mal aus zu machen und den Müll rauszubringen. Wobei letzteres eine schlechte Alternative ist um seine Kinder vom Spielen abzuhalten.
In beiden Fällen beschäftigt sich der Junge nicht mit gleichaltrigen und er tut auch nichts für seine Figur oder Kondition. Beim Lesen erweiterter vielleicht gerade seinen Wortschatz oder er belebt seine Phantasie, während er beim Spielen vielleicht seine Problemlösungskompetenz schult, vielleicht auch nur ein wenig seine Koordination.

Ein weiteres Beispiel ist die Vorstellung ein 10 jähriger Junge zeigt seiner Mutter ein Bild was er so eben gemalt hat. Die Mutter lobt in für seine Leistung und hängt das Bild an den Kühlschrank. Die selbe Mutter die dieses Bild stolz jedem Besucher zeigt erwähnt nebenbei noch, dass ihr älterer Sohn in nur drei Tagen den neuen Harry Potter durchgelesen hat obwohl er erst 13 ist.
Sollte dieser 10 jährige Junge statt dessen seiner Mutter freudestrahlend erzählen, dass er gerade ein Computerspiel durchgespielt hat, und sie bitten gemeinsam mit ihm den Abspann zu betrachten liegt die Vermutung nah, dass sie dies deutlich weniger zu schätzen weiß. Vielleicht kommt sogar ein genervtes "lass mich mit diesem Kram in Ruhe und kümmere die lieber um deine Hausarbeiten.". Wieder eine schlechte Alternative.

Ich behaupte, dass in vielen Haushalten Kinder mit diesem Hobby allein gelassen werden. Dabei verlieren die Eltern nicht nur die Kontrolle über die Inhalte mit denen sich ihre Kinder befassen, sondern sie verlieren auch in den Augen ihrer Kinder die Erziehungskompetenz bezogen auf das Thema Videospiele.

Würde die Gesellschaft, oder genauer gesagt die Eltern sich ohne Vorveruteilung auf das Hobby ihrer Kinder einlassen, könnte ich mir Vorstellen, dass auf beiden Seiten viele Unsicherheiten abgebaut werden könnten. Dies könnte auch zu einer Erziehung führen, die Schlussendlich einen kompetenten Medienumgang begünstigen könnte.

Ich möchte am Ende noch darauf hinweisen, dass es mittlerweile durchaus Diskussionen gibt, wo sich Kritiker und Befürworter von Computerspielen konstruktiv mit den Möglichkeiten und Gefahren auseinandersetzen. Trotzdem brauchen wir nur auf den nächsten Zwischenfall warten, der wieder Pauschalisierungen über den schädlichen Einfluss von Computerspielen in die Schlagzeilen bringt.

Nebenbei bemerkt stammen diese Pauschalisierungen häufig von Personen die mit Entscheidungen treffen beispielsweise über die Höhe der Etats von Jugendhilfeeinrichtungen oder die Zukunft eines völlig veralteten Bildungssystems.

Ich möchte mich sehr für das Lesen dieses Beitrages, und für das (vielleicht) Machen von Gedanken bedanken.

Man ließt sich
Seb

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Kommentare

  1. Avatar von d.night
    netter Blog. Aber das Thema ist halt schon sehr ausgelutscht. Aber das will ich mal nicht in meine Bewertung einfließen lassen. Weil der Blog gut geschrieben ist geb ich 5 Sternderln...
  2. Avatar von balthier9999
    Bei der ganzen Geschichte gibt zwei grundlegende Probleme:
    Das erste ist ganz offensichtlich und wird hier von dir versucht zu lösen. Gewaltspiele dürfen nicht in Kinderhände geraten. Obwohl generell gewalthaltige Medien damit gemeint sind.
    Ich glaube, darüber herrscht allgemeiner Konsens. Aber wir wissen auch, dass die Vorenthaltung schwierig ist. Lösungsansätze gäbe es viele ? ein Werbespot, wie von Peta oder der Aids-Versorge, beispielsweise. Ich wäre aber dafür, dieses Problem auf jeden Fall mit dem zweiten zu verknüpfen.
    Das zweite Problem ist der Diskurs. Die Darstellung der Bedürfnisse und die Diskussion geschieht aus meiner Sicht nicht korrekt ? beide Parteien legen einen unproduktiven Unilateralismus zutage. Man fixiert sich zu sehr auf Provokationen, ein konsensfördernder Dialog wird gar nicht erst getätigt, die Politiker sind gleich immer die Schlimmen ? umgekehrt die Killerspiele.
    Wie es zur Einsicht der Politiker gehören sollte, dass die Klasse der Gamer einen Bedarf an solchen Spielen hat, so sollten auch Gamer begreifen, dass ihre Spiele gegen Gesetz und Moral verstoßen. Dem Spielemarkt geht es nämlich zu gut, durch diese Separation von der Gegnerseite entgehen den Spielern die Methoden des Markts. Man kann schon froh sein, dass die CoD-Szene mit den Zivilisten für Aufruhr sorgte ? das ist ja eine Seltenheit. Schade, dass so ein moralischer Dialog nicht mal bei den populären Brutalospielen wie GoW3 stattfindet.^^

    Ich sage aber ganz explizit: Administrative Mächte dürfen keine Ware einfach so requirieren/verbieten. Sie dürfen den Markt zwar kontrollieren, aber nicht vorenthalten, solange dies nicht sozial oder rational begründet ist. Beide Welten sind bisher nicht zu einem Ergebnis gekommen, dass ein Verbot rechtfertigt.

    Dennoch: Seht die Sache nicht so eigennützig. Diese Thematik muss von allen Perspektiven betrachtet werden.

    @Blog: Die Problematik der Sozialisierung/Erziehung ist etwas vielfältiger. Ich kann mir beispielsweise gut vorstellen, dass ein großer Teil der Eltern das Zockerhobby akzeptiert. Solange alles andere klappt^^ Wenn letzteres nicht so ist, so suchen die Eltern selbstverständlich die Kausalitäten und sehen sie (unter anderem) bei den Spielen, was vllt. noch nicht mal verkehrt ist, wenn es um schulische Leistungen geht.^^ ^^
    Trotzdem: Von allen Blogs zu dem Thema ist der hier mit einer der besten. Gute Arbeit!
  3. Avatar von Falconer
    Ich finde nicht, dass das Thema ausgelutscht ist. Sondern es steht permanent im Raum, da sich die Gamer auf der einen, die Skeptiker auf der anderen Seite in ihren Argumentationsgräben verschanzt haben. Diese Grütze, die da teilweise von beiden Fraktionen gesabbelt wird, ist kaum noch auszuhalten. Zumindest für Menschen, die sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen. Dein Beitrag ragt da auf jeden Fall positiv heraus. Du erörterst die Thematik sicherlich nicht ausschöpfend, aber doch in einem ausgewogenen Maße. Sicherlich könnte man bei jedem einzelnen Punkt in die Details einsteigen. Ich halte z.B. die Vergleichbarkeit von Lesen und Zocken nicht mal annähernd für gegeben?
    Super Blog? 5 Sterne!
  4. Avatar von d.night
    zur Erklärung weil sich alle auf das "Ausgelutscht" Stürzen. Fakt ist dass es unzählige Blogs zum Thema gibt. Bei meinem letzten Blog musste ich lesen "alles schon mal gehört" obwohl es meines Wissen zu dem Thema noch keinen einzigen Blog gibt.

    Das dieser Blog hier gut ist und 5 Sterne verdient habe ich glaube ich auch dazu geschrieben...also ein bissi runter vom Gas wenn ich bitten darf, lieber Mitkommentierer. ;D

    PS: Bitte keine "dies ist eine Gamerseite, deshalb..." Argumente. xD
  5. Avatar von vauman
    ich bedanke mich für deinen Blog , dem ich nichts entgegenzusetzen habe . Typische Geschichten , die ich durch meinen Sohn auch kenne . Vom Kindergarten bis zur Grundschule , Eltern die mit Ihren Kindern prahlen , müssen .
    Egal wie und mit was .
    Ich denke wir Menschen machen es uns entzwischen zu einfach, Dinge zu hinterfragen . Für jedes Debakel oder Problem , gibts Schuldige . Und wir Zockerhirnis müssen immer für alles hinhalten . Hat man den schuldigen gefunden, is alles beim alten , Problem erkannt , nix gelernt .
    Wieso sich tiefer mit der Materie befassen . Stempel reicht !! Ich sach ja wir machens uns einfach ´.
    So dann geh ich mal wieder und schau gut gelaunt mal wieder vorbei !
    vauman