1. #1
    Avatar von deadlyfriend
    Mitglied seit
    21.08.2006
    Beiträge
    1.086

    Standard Reconstruction

    Gesamtübersicht aller Kritiken zu Reconstruction

    #2 26.01.07 deadlyfriend
    #2 16.02.07 Vince
    Geändert von Vince (16.02.2007 um 20:10 Uhr)

  2. #2
    Themenstarter
    Avatar von deadlyfriend
    Mitglied seit
    21.08.2006
    Beiträge
    1.086

    Standard

    Reconstruction


    „Alles ist Film, alles ist konstruiert, und dennoch tut es weh"

    Der Dänische Regieneuling Christoffer Boe versucht sich an einem nicht allzu neuen Thema: Die Liebe. Was er allerdings daraus gemacht hat ist absolut innovativ und ich habe das Thema noch nie so verschachtelt verfilmt gesehen. David Lynch dreht "Vom Winde verweht" wobei das beiden nicht unbedingt gerecht erscheint aber grob die Richtung vorgibt. Nicht die Kamera liefert surreale Momente sondern die Story. Nichts ist wie es scheint. Diese Liebesgeschichte ist in einem Moment eindeutig und klar und im nächsten Moment wird ihr der Boden unter den Füßen weggerissen. Boe zeigt zudem ein malerisches Kopenhagen was auf den Betrachter eine träumerische Faszination ausübt. Aber auch die beste Geschichte funktioniert nicht ohne ihre Darsteller. Diese wurden perfekt gewählt. Der mir unbekannte Nikolaj Lie Kaas wirkt in jeder Einstellung überzeugend doch was Maria Bonnevie hier leistet ist schon außergewöhnlich.Die äußerst attraktive Schwedin ist mir schon in Bornedals "Ich bin Dina" positiv aufgefallen und hat ihr Können hier noch ein weiteres mal bestätigt. Der Score ist immer passend und in einer fantastisch gefilmten Sequenz gibt es Samuel Barbers "Adagio for Strings" zu hören was in dieser Szene wieder einmal grandios wirkt.
    Wer einen Film zum nachdenken und puzzeln sucht, aber von Mystery Thrillern genug hat muß hier zuschlagen. 9 von 10 Punkten
    Geändert von deadlyfriend (27.01.2007 um 18:04 Uhr)

  3. #3
    Avatar von Vince
    Mitglied seit
    19.08.2006
    Ort
    Aachen
    Alter
    38
    Beiträge
    2.365
    Blog-Einträge
    8

    Standard

    RECONSTRUCTION
    Ausschnitte aus meiner DVD-Kritik

    Die Dänen mal wieder; hauen uns hier ein herrlich alternatives Stück über die Liebe vor den Latz. “Reconstruction” geht in die Analyse. Analyse bedeutet bekanntlich, dass nichts Neues hinzugefügt wird, sondern das Bestehende lediglich einer Tiefenkontrolle unterzogen wird. Und das ist die ganze Stärke und Schwäche dieser metaphysischen Betrachtung des Genres Liebesfilm, der sich zu Recht auch selbst mit dieser Genrebezeichnung schmückt. Wer also schon bei “In the Mood for Love” über Sterilität und Gefühlskälte verärgert war, wird seine Bedürfnisse wohl auch bei Christoffer Boe nicht stillen können. Die Rekonstruktion der Anatomie einer Liebeskonstellation ist eiskalt. Im Gegenzug bekommt man allerdings einige Wahrheiten über das Wesen der Liebe und seine Beschaffenheit (die je nach Liebespaar variiert) serviert. Und vor allem: Obwohl “Reconstruction” ein knallernstes Drama ohne Ironie ist, wird ein ironischer Blick auf die Filmmechanismen und auf erfundene Roman- bzw. Drehbuchcharaktere mitgetragen. Film und Leben, Fiktion und Realität vermischen sich.

    Eigentlich stimmt alles; Die Regie ist kunstvoll, ohne zu sehr nach gewollter Kunst auszusehen, die Bildkompositionen sind malerisch und die kühlen Farben untermauern die Aussage, während die Darsteller um Nikolaj Lie Kaas und Maria Bonnevie kaum besser spielen könnten. Problematisch ist nur eines: Das Werk kann die eigens postulierte Emotionalität selbst nicht transportieren, um an ihrem Beispiel zu zeigen, was der Schmerz bedeutet. Die episodische Struktur, das stetige Wechselbad der Gefühle zwischen Glück und Enttäuschung verweigert es, wirkliche Gefühle zuzulassen, zumal die Herzen vieler Menschen gebrochen werden und sich dabei alle jeweils gegenseitig im Weg stehen. Wird der Autor betrogen, ist Alex dafür der Grund; fühlt sich die Frau des Autoren vernachlässigt, liegt das wiederum an der ominösen Bekannten, die stets aus der Lobby des Hotels anruft und den Autoren zu sich bittet. Man hat gewissermaßen Mitleid mit allen beteiligten Figuren und kann das Mitgefühl nicht auf eine Figur bündeln, muss es an alle Beteiligten gleichmäßig verteilen. Und dann konzentriert man seine ganze Verzweiflung gegen das Konstrukt Liebe, das in diesem Universum scheinbar nur dafür geeignet ist, Schmerz zu bringen.

    Das ändert alles nichts daran, dass die Dänen mal wieder gezeigt haben, wie man sich einem Genre auf innovative Weise nähert. Natürlich sind Vorbilder auszumachen, doch trotzdem schafft es Christoffer Boe, dass der Zuschauer nochmals genau darüber nachdenkt, was er eigentlich unter der Bezeichnung “Liebesfilm” zu verstehen hat. Dieses Wort wird im Laufe der eineinhalb Stunden eine semantische Erweiterung erleben, die es in sich hat, das ist sicher. Und mehr will “Reconstruction” sowieso nicht.
    8/10

  4. #4
    Avatar von Vince
    Mitglied seit
    19.08.2006
    Ort
    Aachen
    Alter
    38
    Beiträge
    2.365
    Blog-Einträge
    8

    Standard

    @deadlyfriend: Wie es der Zufall so will, habe ich mir in der uncut-Version ( ) meiner Kritik genau das gleiche Zitat rausgesucht wie du. Sorry, war wirklich keine Absicht. Das eignet sich nur so gut.

    Ansonsten mal wieder vielen Dank für diesen guten Tipp. Wenn du noch mehr Filme dieser Art kennst, die man sonst übersehen würde, immer her mit den Empfehlungen.

  5. #5
    Themenstarter
    Avatar von deadlyfriend
    Mitglied seit
    21.08.2006
    Beiträge
    1.086

    Standard

    Zitat Zitat von Vince
    @deadlyfriend: Wie es der Zufall so will, habe ich mir in der uncut-Version ( ) meiner Kritik genau das gleiche Zitat rausgesucht wie du. Sorry, war wirklich keine Absicht. Das eignet sich nur so gut.

    Ansonsten mal wieder vielen Dank für diesen guten Tipp. Wenn du noch mehr Filme dieser Art kennst, die man sonst übersehen würde, immer her mit den Empfehlungen.
    Freut mich ehrlich das er dir gefällt. Ist ein absoluter Insider Film der leider kein Publikum gefunden hat. Kenne niemanden der ihn kennt. Mit Maria Bonnevie solltest du dir in jedem Fall "Ich bin Dina" ansehen.

    Das Zitat selbst ist einfach fantastisch. Es ist so perfekt das man keine besseren Worte finden kann.

  6. #6
    Avatar von Vince
    Mitglied seit
    19.08.2006
    Ort
    Aachen
    Alter
    38
    Beiträge
    2.365
    Blog-Einträge
    8

    Standard

    Zitat Zitat von deadlyfriend
    Maria Bonnevie solltest du dir in jedem Fall "Ich bin Dina" ansehen.
    Apropos, du schreibst ja, dass du Nikolaj Lie Kaas vorher noch nicht kanntest. Hast du denn noch nicht "In China essen sie Hunde" (oder die Fortsetzung) gesehen? Und auch sonst hat er einige Perlen in seiner Filmographie. Abgesehen von den beiden genannten kenne ich da nur noch "Dänische Delikatessen", aber der ist auch absolut empfehlenswert. Herrlich schwarzhumorig, mit Le Chiffre-Darsteller Mads Mikkelsen als verschwitzter, nervöser Metzger.

  7. #7
    Themenstarter
    Avatar von deadlyfriend
    Mitglied seit
    21.08.2006
    Beiträge
    1.086

    Standard

    Zitat Zitat von Vince
    Apropos, du schreibst ja, dass du Nikolaj Lie Kaas vorher noch nicht kanntest. Hast du denn noch nicht "In China essen sie Hunde" (oder die Fortsetzung) gesehen? Und auch sonst hat er einige Perlen in seiner Filmographie. Abgesehen von den beiden genannten kenne ich da nur noch "Dänische Delikatessen", aber der ist auch absolut empfehlenswert. Herrlich schwarzhumorig, mit Le Chiffre-Darsteller Mads Mikkelsen als verschwitzter, nervöser Metzger.

    Ich habe "In China essen sie Hunde" nie gesehen. Erstens ist der Titel für mich abstoßend und zweitens hat er mich thematisch nie interessiert. Habe aber im Hinterkopf gespeichert ihn mir anzusehen aber das kann echt noch dauern. Geht mir aber bei einigen Filmen so die man als Pflichtveranstaltung sieht. Habe beispielsweise auch noch nie Kill Bill gesehen.

  8. #8
    Avatar von Vince
    Mitglied seit
    19.08.2006
    Ort
    Aachen
    Alter
    38
    Beiträge
    2.365
    Blog-Einträge
    8

    Standard

    Zitat Zitat von deadlyfriend
    Ich habe "In China essen sie Hunde" nie gesehen. Erstens ist der Titel für mich abstoßend.
    Nur zur Beruhigung, es werden natürlich nicht wirklich Hunde gegessen. Der Titel soll halt versinnbildlichen, dass gesellschaftliche Normen vom Menschen gemacht werden, je nach Kultur verschieden und damit formbar sind. Dadurch legitimieren die Charaktere, dass sie einfach so Überfälle und andere kriminelle Taten begehen.

    Dir würde ich aber in der Tat eher "Dänische Delikatessen" empfehlen, der dürfte dir sehr gefallen.

  9. #9
    Themenstarter
    Avatar von deadlyfriend
    Mitglied seit
    21.08.2006
    Beiträge
    1.086

    Standard

    Habe ihn mir heute nochmal angesehen und erhöhe auf die Höchstwertung! Auch beim zweiten mal hat er mich völlig zerrissen in den Sessel geschoben. Da er das also nochmal geschafft hat vergebe ich inzwischen 10 Punkte.

  10. #10
    Avatar von Vince
    Mitglied seit
    19.08.2006
    Ort
    Aachen
    Alter
    38
    Beiträge
    2.365
    Blog-Einträge
    8

    Standard

    Ich habe noch nicht wieder das Bedürfnis, ist ein sehr schwerer Film, da muss ich echt in der richtigen Stimmung für sein.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •