1. #1
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    Standard Hero

    Gesamtübersicht aller Kritiken zu Hero:

    #2 02.03.07 LivingDead
    Geändert von Travis Bickle (02.03.2007 um 11:58 Uhr)
    Mit freundlichem Gruß, LivingDead
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  2. #2
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    Hero Director´s Cut

    Nur äußerst selten schaffen es asiatische Produktionen sich auch auf dem westlichen Filmmarkt zu etablieren. Umso überraschender war es, dass im Jahre 2000 Ang Lees Tiger & Dragon, eine Koproduktion von den USA und China, nicht nur zum Publikumsliebling wurde, sondern auch gleich vier der begehrten Oscars abräumte.

    Zhang Yimou, der vor allem durch seine regimekritischen Werke wie „Rote Laterne“ oder „Leben“ auffiel, und dadurch diverse Preise einheimste, verzichtet in „Hero“ weitestgehend auf Kritik am System. Dennoch, oder gerade deswegen ist sein Film mit einem, für chinesische Verhältnisse, utopischen Budget von über 30 Mio. Dollar ein absoluter Kassenerfolg gewesen, der alle Rekorde brach und auch international Anerkennung erhielt. So wurde „Hero“ auf der Berlinale im Jahre 2003 mit dem Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet und außerdem für den Oscar als „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert.
    Des Weiteren kann sich Yimou auf ein wahres Starensemble verlassen, als da wären Jet Li, Ziyi Zhang und Donnie Yen, die allesamt auch auf Hollywood Erfahrungen zurückblicken können. Vor allem das zweite Aufeinandertreffen der Kampfkunstikonen Jet Li und Donnie Yen nach „Last Hero“ wird wohl unter allen Genrefans Entzückung hervorrufen.

    Der Film selbst gliedert sich in vier Episoden auf, die sich allesamt durch Farbe und Inszenierung unterscheiden. So wird auch die farblich auf die Grundstimmung der Charaktere angepasste Umgebung zu einem Akteur, der durchaus Einfluss auf das Geschehen hat. So seien hier vor allem die Kämpfe im Blätterwald und auf dem See genannt, die in ihrer Perfektion und Erhabenheit wahre Referenzen in Sachen Kampfkunst im Film darstellen. Bild und Ton verschmelzen miteinander und erzeugen dabei ein melancholisches, aber wunderschönes Gesamtes wessen man sich als Zuschauer nur schwer entziehen kann.

    Kameraarbeit, Kostüme, Setting und Musik dürfen getrost als perfekt bezeichnet werden. „Hero“ stellt sich weniger als Kampfspektakel, denn als Rausch der Sinne dar, der den Zuschauer in eine andere Welt, eine Welt der Sinne, der Farben und Emotionen entführt. So sollte man in den Kampfszenen auch keine schnellen Schnitte oder blutige Verletzungen erwarten. Yimou setzt viel mehr auf Ästhetik und Perfektion, genau wie die Protagonisten im Film, die durch Kalligraphie auch nach Perfektion im Umgang mit dem Schwert trachten.

    Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Story nur als Aufhänger schöner Bilder dient. Im Gegenteil: „Hero“ erzählt eine wunderschöne Geschichte, die durch ihre nicht-lineare Erzählweise zwar durchaus kopflastig ist, den Zuschauer jedoch keineswegs überfordert oder noch schlimmer: Ablenkt. Ständige Storywendungen und der überraschende Schluss sollten auch Nicht-Anhänger des Wuxia überzeugen. So halten sich historische Fakten und Fiktion die Waage, und auch an dramatischen Szenen mangelt es dem Film nicht. Auch wenn es diesen an der Tiefe eines „Tiger & Dragon“ fehlt, so haben sie doch durchaus ihre Wirkung und lassen die Aktionen der Figuren jederzeit plausibel erscheinen.
    Nur der Schluss, der zudem auch Yimous bisherigen Werken widerspricht, zeigt sich als diskussionswürdig. Hier wird Unterwerfung und Diktatur glorifiziert und Yimou zeigt sich plötzlich als Befürworter der chinesischen Geschichte: Der Einzelne habe sich dem Wohl der Allgemeinheit unterzuordnen. Ein kleiner Wermutstropfen, der im Nachhinein das Gesamtbild dann doch etwas trübt.

    Nichtsdestotrotz bleibt die Kernaussage des Filmes: Frieden ist immer noch die beste Lösung.
    8/10
    Geändert von LivingDead (03.03.2007 um 13:56 Uhr)
    Mit freundlichem Gruß, LivingDead
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  3. #3
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    Avatar von crizzo silverblue
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    Schöne Kritik, LD!
    Ich finde den Film meisterhaft inszeniert und müsste mir mal genauere Gedanken über eine Bewertung machen, würde aber mindestens das Gleiche vergeben... wenn nicht sogar mehr. "Hero" ist von all den tollen Kampfkunst-Filmen aus Fernost mein absolut Liebster und lässt mich tief in diese epische Story um einzigartige Krieger abtauchen. Allein die Landschaftsaufnahmen sind doch hammergeil!
    Finde den Film wirklich phänomenal gut.

  4. #4
    Avatar von Vince
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    Das Problem von "Hero" ist, dass die zugegeben beeindruckende Bildgewalt und die traditionelle Farbsymbolik letztlich eine ziemlichoberflächliche Story übertünchen, die spätestens nach dem zweiten Mal negativ auffällt. "Tiger & Dragon" hat da die weit größere Substanz. Er ist nicht auf Anhieb so gut aufnehmbar bzw. etwas schwieriger zugänglich, vermag aber dafür auch nach dem fünften oder sechsten Mal noch nachdenklich zu machen, während bei "Hero" schnell die Luft raus ist. Von mir gibts eine knappe 7/10.

    Das ultimative Meisterwerk des Wuxia-Genres, das ich jedem unbedingt ans Herz legen möchte, ist King Hus "A Touch of Zen". Ein Wahnsinnsfilm, der überhaupt erst Ang Lee & Co. zu der neuen Welle von Wuxia-Filmen inspiriert hat.
    Gibt es leider nicht in Deutschland und ist auch schon seit Jahrzehnten nicht mehr im TV ausgestrahlt worden.

  5. #5
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    Danke.
    Ist auch einer meiner Liebsten aus Fernost. Wenn ich mir jedoch "Tiger & Dragon " so ansehe, spielt der dann doch mindestens eine Klasse höher. "Hero" besticht dabei eher durch seine Landschaftsaufnahmen und die wunderbaren Bilder.

    Übrigens kommt bald Zhang Yimous neuer Film "Der Fluch der Goldenen Blume" mit Chow Yun Fat und Gong Li in die Kinos.
    Mit freundlichem Gruß, LivingDead
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  6. #6
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    Avatar von crizzo silverblue
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    Zitat Zitat von LivingDead
    Wenn ich mir jedoch "Tiger & Dragon " so ansehe, spielt der dann doch mindestens eine Klasse höher. "Hero" besticht dabei eher durch seine Landschaftsaufnahmen und die wunderbaren Bilder.
    Also "Tiger & Dragon" mag ja mehr Storytiefe haben, aber so verzaubern wie "Hero" kann der mich nicht. Ebenso hat "House of the Flying Daggers" mehr Phantasievolles für mich auf Lager. Da bleibt dem Tiger und dem Drachen nur Rang 3 in meinen Wuxia-Charts.

  7. #7
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    Zu dem tollen "HofD" wird in geraumer Zeit ebenfalls noch eine Kritik folgen... Evtl. auch zu den Tigern und Drachen.
    Geändert von LivingDead (03.03.2007 um 14:49 Uhr)
    Mit freundlichem Gruß, LivingDead
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  8. #8
    Avatar von Despair
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    Ich mag Asiakino, habe nichts gegen ein wenig Overacting und kann auch eine dicke Portion Pathos und Kitsch verkraften. Wenn aber Schwertkämpfer fuchtelnderweise ohne einen Anflug von Humor meterweit durch die Luft segeln, kann ich mir ein Grinsen nur schwer verkneifen. Humor wird man in "Hero" vergeblich suchen, Flugeinlagen sind umso häufiger anzutreffen. Davon abgesehen bleiben grossartige Bilder und eine interessant dargebotene Geschichte, die mir immerhin

    7/10 Punkte entlocken können.

  9. #9
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    Zitat Zitat von Despair
    Ich mag Asiakino, habe nichts gegen ein wenig Overacting und kann auch eine dicke Portion Pathos und Kitsch verkraften. Wenn aber Schwertkämpfer fuchtelnderweise ohne einen Anflug von Humor meterweit durch die Luft segeln, kann ich mir ein Grinsen nur schwer verkneifen. Humor wird man in "Hero" vergeblich suchen, Flugeinlagen sind umso häufiger anzutreffen.
    Hmja... An die "Flugeinlagen" musste ich mich anfangs auch gewöhnen; gehören zum Wuxia-Genre aber einfach dazu; schlicht Gewöhnungssache.
    In "House of Flying Daggers" kommen solche Szenen eher selten zum Einsatz und die Action ist wesentlich "bodenständiger" inszeniert.
    Mit freundlichem Gruß, LivingDead
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  10. #10
    Avatar von Vince
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    Man muss das Gefliege symbolisch verstehen. Wenn man das nach physikalischen Kriterien beurteilt, muss man sich an den neuen Wuxia-Filmen ja die Zähne ausbeißen.

  11. #11
    dax
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    Also, meine folgende Aussage meine ich nicht negativ, sondern absolut positiv:

    Hero wirkt auf mich wie ein Beruhigungmittel.
    Diese wunderbaren Einstellungen, Farben und die Zeit die sich der Film oft nimmt ist absolute Entspannungstherapie.
    Hero ist meine kleine Wellnessoase in die mich immer wieder gern zurückziehe um mich einfach zu erholen und von atemberaubenden Bildern verwöhnt zuwerden.
    Die Story dieses Filmes ist da schon fast zweitrangig.
    Alltagsflucht in Reinkultur.

    8/10 Kirschblüten

  12. #12
    Avatar von Despair
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    Zitat Zitat von Vince
    Man muss das Gefliege symbolisch verstehen.
    Klar, aber bei ernsten Filmen stört es mich einfach. Bei lustigeren Vertretern wie "A Chinese Ghost Story" kann ich eher drüber hinwegsehen.

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