1. #1
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    Standard Elephant

    Gesamtübersicht aller Kritiken zu Elephant:

    #2 05.04.07 SAB
    Geändert von Travis Bickle (05.04.2007 um 11:13 Uhr)
    "Lache und die ganze Welt lacht mit Dir. Weine und Du weinst allein."
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  2. #2
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    Elephant



    Geschichte:
    Wir sehen eine Schule irgendwo in den USA in der sich der schulische Alltag abspielt: Schüler, die sich in den Fluren treffen und unterhalten, die typischen Gruppierungen einiger Mädchen, die sich über Jungs unterhalten, den Speisesaal in dem über das Essen diskutiert wird, der Junge der Hänseleien aushält oder das Pärchen, das überlegt den Rest des Tages freizunehmen.
    Wir als Zuschauer werden Zeuge einer weitestgehend harmonischen Zeit in der die Schüler entweder versuchen den Schultag einfach schnell zu beenden oder sich wegen Freunden gerne dort aufhalten.
    Bis zu dem Moment, wo die ersten Schüsse fallen und Panik ausbricht...

    Wertung:
    "Elephant" ist ein sehr motivierter Film indem der Amoklauf zweier Teenager an der Columbine High School in Littleton am 20. April 1999 thematisiert wird.
    Gus van Sant erzählt die Geschichte bewusst unpersönlich und zeigt uns auf, welche Ereignisse einen Teenager möglicherweise zu solch einer Tat treibt. Doch geschieht dies nie mit erhobenem Zeigefinger und van Sant filmt das Gezeigte eigentlich einfach nur ab. Doch gerade seine Inszenierung ist das Besondere am Film, denn durch zahlreiche Kamerafahrten z.B. folgt er lediglich einem Schüler der minutenlang wortlos nur über das Gelände der Schule läuft. Große Weitwinkelaufnahmen zeigen die Isoliertheit der Betroffenen auf.
    Auch die nicht chronologische Erzählweise ist sehr gut gemacht, da man dadurch so manche Szene zwar doppelt oder sogar dreifach zu sehen bekommt, es aber immer aus einem anderen Blickwinkel geschieht, was dazu führt das man die Absichten der Schüler zunehmends erkennt.
    Da ist es nur konsequent, das dieser unkonventionelle Film an seinem Spannungshöhepunkt einfach endet und den Zuschauer somit fast vor den Kopf stößt, da man keine zufriedenstellende Antwort geliefert bekommt. Doch darin liegt ja gerade das Grauen. Man kann schließlich niemals zu 100% klären, was solche Jugendliche dazu treibt so etwas zu tun.

    Fazit:
    Eindringlich erzählt, weiß man über lange Zeit als Zuschauer nicht wann und wie das Grauen zuschlagen wird. Einzig die immer bedrohlichere Stimmung lässt darauf schließen, das es bald soweit sein wird.
    Gerade daraus zieht der Film seine starke Wirkung und trifft genau unser Gemüt.
    Für Fans eines anspruchsvolleren Filmvergnügens absolut empfehlenswert!

    Bewertung: 9 / 10 Punkten
    Geändert von SAB (05.04.2007 um 11:12 Uhr)
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  3. #3
    Avatar von deadlyfriend
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    Das klingt sehr interessant. Hast du auch die beiden anderen Teile der Todes-Trilogie von Gus van Sant gesehen? Frage nebenbei: Ist da eine Box in Aussicht?

  4. #4
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    Avatar von Travis Bickle
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    Für meinen Geschmack war Elephant völlig unausgegoren. Ein relativ seelenloses Werk, daß mich weder gepackt noch der Thematik wirklich näher gebracht hat. Das van Sant das Thema mit Abstand verfilmen und eine letztendliche Wertung über das Wie und Warum dem Zuseher überlassen wollte, ist ein durchaus legitimer und auch zu befürwortender Ansatz. Doch genau da verkrampft van Sant, in dem Bemühen möglichst neutral und wertungsfrei aus der Distanz zu dokumentieren, überzieht er aus meiner Sicht gewaltig und schafft ein übertrieben emotionsloses Werk, das dem Thema somit auch nicht gerecht wird. Mir ist durchaus bewußt, daß sehr viele den Film ähnlich wie du sehen und ihm eine große Bedeutungsschwere zuspechen, die ich aufgrund der überstrapazierten Distanzverkrampfung allerdings nicht erkennen kann. Auf alle Fälle ein Werk, über das die Meinungen sehr kontrovers sind. Aus meiner Sicht: 5/10

  5. #5
    SAB
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    Zitat Zitat von deadlyfriend
    Das klingt sehr interessant. Hast du auch die beiden anderen Teile der Todes-Trilogie von Gus van Sant gesehen?
    "Gerry" habe ich auch gesehen, finde den zwar ganz interessant, stellenweise dann aber doch zu langweilig! Wem "Elephant" schon zu langatmig war, wird bei Gerry noch mehr gelangweilt werden! Ich würde dem Film so eine 5/10 geben! Wenn er um 20 Minuten gekürzt wäre, dann eine 7/10!
    Den letzten Teil der Todes-Trilogie "Last Days" kenne ich leider noch nicht, überlege aber ihn mir demnächst schonmal aus UK zu bestellen, da er dort schon für umgerechnet 10 Euro zu haben ist!
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  6. #6
    SAB
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    Für alle, die die Filme noch nicht kennen und sie sich nicht blind kaufen möchte...

    Elephant: Montag, 14. Mai um 20.40 Uhr auf Arte

    Gerry: Mittwoch, 16. Mai um 22.30 Uhr auf Arte
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  7. #7
    Avatar von Vince
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    Zitat Zitat von SAB
    Für alle, die die Filme noch nicht kennen und sie sich nicht blind kaufen möchte...

    Elephant: Montag, 14. Mai um 20.40 Uhr auf Arte

    Gerry: Mittwoch, 16. Mai um 22.30 Uhr auf Arte
    Ah, sehr gut, danke! Da wollte ich sowieso mal reinschnuppern.

  8. #8
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    Avatar von crizzo silverblue
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    Habe die SE von "Elephant" hier im Regal... aber bis auf einen Versuch mit der Freundin hatte ich diese bislang zugelassen. Der Nini hat er dann auch nicht wirklich gefallen, weil "zu wenig passiert" in den ersten 15 Minuten. Gut, Mädels halt.
    Den Film werde ich mal in Ruhe anschauen müssen, denn die Thematik ist schon unheimlich wichtig, finde ich.

  9. #9
    Avatar von Despair
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    Sehr schöne Kritik, SAB, ich habe den Film ganz ähnlich wahrgenommen. Die Inszenierung irritiert zunächst, man hat das Gefühl, eine Dokumentation über den High School-Alltag zu sehen - bis es zur Katastrophe kommt. Da der Film aber teilweise doch etwas langatmig ausgefallen ist, komme ich nur auf

    8/10 Punkte.

  10. #10
    Avatar von Farman
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    Hab den letztens im Fernsehen das erste Mal gesehen...
    Seltsamerweise war ich mir vor dem Sehen ziemlich sicher, einen Scheißfilm vorgesetzt zu bekommen, der sich wichtig tut, vielleicht alleine schon durch das Thema. Hab auch besonders kritisch geschaut und wollte auch gerne einen Scheißfilm erkennen, wer weiß, vielleicht wegen primitiver Wutendladung. Was Filmemacher sich manchmal zu "wichtigen" Themen herausnehmen ist eine Frechheit, "World Trade Center" hatte mich damals im Kino wohl mit einem zu großen Schock hinterlassen.
    Aber es kam anders. Elephant war dann ein Film, der mich recht argument- und stellungslos hinterließ, was bei diesem Thema erst einmal positiv zu vermerken ist.
    Zunächst muss man das Paradoxe zur Sprache bringen: Der Film will nichts aussagen, Gus van Sant stellte extra heraus, er könne über dieses Thema nichts endgültiges wissen und dementsprechend auch nichts endgültiges zur Sprache bringen, und dennoch dreht er einen Film. Kann man etwas ästhetisch so darstellen, dass dem Zuschauer, der sich mit einem so problematischen und durch und durch von dreckiger Meinungsmache gezeichneten Diskurs auseinandersetzen will, nicht ein bißchen gezeigt wird, wo der Hase langläuft, das ist hier die Frage. Die klare Antwort lautet: Nein. Ob also auch die klare Antwort auf eine filmische Verarbeitung eines so ungreifbaren Ereignisses (bzw. mehrerer Ereignisse) auch lauten muss: Ablehnung, Verachtung, Polemik, das wäre die nächste Frage. Die klare Antwort lautet: Nein.

    Ein Filmemacher, der meint, er könnte über die Gewalt- und Selbstmordbereitschaft von pickligen Teenagern in Industrieländern ohne jedweden politischen oder ideologischen Hintergrund nicht wirklich etwas Endgültiges wissen und aussagen, ist ehrlich. Ein Filmemacher, der meint, er habe dementsprechend auch gar nichts darüber zu sagen, sollte auch lieber keinen Film darüber drehen. Folglich muss man Van Sants Aussagen im richtigen Kontext sehen. Eine Anti-Stellungnahme ist auch eine Stellungnahme, der geläufige Pädaslogan "Man kann nicht nicht kommunizieren" ist hier hilfreich.
    Man muss sich vor Augen führen, was ein Film überhaupt an den Mann bringen kann: relative, nicht absolute Wahrheiten. Eine gelungene künstlerische Produktion beinhaltet poetische Wahrheiten, nicht die Wahrheit selbst, und erst das macht sie wertvoll. Der Regisseur ist von Beruf nicht Meinungsmacher und sollte es auch nicht werden wollen, sonst hat man den Salat, der in diesem Fall eine undifferenzierte, völlig irrationale Rationalisierung eines vor allem emotional allgegenwärtigen Problems wäre. Man kann tief fallen, wenn man zur Blütezeit von Schulamokläufen einen Film über diesen grotesken Wahnsinn macht.
    Ob Elephant gelungen ist oder nicht, das ist extreme Geschmackssache, ein tiefer Fall von Gus van Sant ist er meiner Ansicht nach absolut nicht.

    Was mich sehr beeindruckt hat war seine Herangehensweise: Der Film ist hauptsächlich eine sehr erfrischende und meiner Ansicht nach sehr verstörende Darstellung des amerikanischen Schulalltags. Diese Herangehensweise gibt Van Sants direkte Statements verneinender Haltung eine Rechtfertigung. Man sucht die hässliche Fratze des Bösen in den Schulmauern, innerhalb der ellenlangen Korridore und der Herbstlandschaft des unendlich weiten Schulhofs, findet aber nichts als Traurigkeit und Schwermut. Obwohl die Schule nicht zum Hort der Hölle stilisiert wird, lastet die Vorahnung einer Katastrophe in diesen Bildern, was sie für mich teilweise unerträglich machte. Alles ist endlos lang und ein jeder kommt sich verloren vor. Nicht zuletzt die langsamen Steadycam-Verfolgungen einzelner Schüler erinnern an Kubricks Shining: Hier ist die Architektur das wirklich Bedrückende. Die Lehrer sind nicht böse, die Schüler sind es auch nicht, doch dieser Ort wirkt so entindividualisiert und trostlos, dass er (für Nichtamerikaner?) einen irrealen Schlag bekommt.
    Schüler erfüllen ihre bekannten Klischees und machen diese Klischees zu einer tragischen Wahrheit. Die Brillenschlange, die im Sportunterricht keine Shorts anziehen will, exisitert nun mal wirklich, ebenso wie der armselige Außenseiter und die indiskutablen Scheiß gackernden Hennen in blond und brünett. Nur sie wirken echt in ihrer undurchdringlichen Unwirklichkeit (die Frage nach äußerem Anschein und ihrer Glaubwürdigkeit wird im Film übrigens in einer Gesprächsrunde direkt angesprochen und an den Zuschauer weitergegeben).
    Durch diese fragmentarische Poetisierung des Schulalltags, die ich in ihrer Wirkung als gefühlsbetonte Distanzierung formulieren würde, wird eine Atmosphäre geschaffen, die die kommende Katastrophe -jedenfalls im filmischen Universum von Elephant- "verstehbar" macht, ohne sie wirklich zu erklären. Gestützt wird diese Atmosphäre von glaubwürdigen Darstellern, vor allem der Blondschopf ist so ziemlich das genaue Gegenteil von einem typischen Teenager in amerikanischer Kinomassenware.

    Bei allem, was darüber hinausgeht, enttäuscht Elephant. Diese ästhetische, bildliche Auseinandersetzung alleine könnte reichen, meint man, doch ist ein Ausweg aus handfesten, greifbaren Erklärungsansätzen einfach nicht möglich, und je mehr man den Ausweg sucht, desto mehr tappt man in die direkt vor ihr liegende Falle. Denn Elephant wirkt bei dem Amoklauf selber und der Darstellungen der Amokläufer seltsam erklärlustig, obwohl er das nicht will: Ballergames mit schlechter Grafik können wohl kaum der Grund sein, wenn nebenbei noch Beethoven gespielt wird, den schließlich keiner als Auslöser für Gewalt akzeptieren möchte, das ist schön, doch das direkte, mutige, schmerzhaft pointierte, zum aktiven Mitdenken brutal zwingende Erschlagen des Zuschauers mit falscher Sinnstiftung eines Clockwork Orange ist meilenweit entfernt. Dass sie keine sexuellen Erfahrungen hatten, das die Mutter sich nicht um sie schert, dass man Waffen per Internet bestellen kann, dass die Mitschüler sie hänseln, das sind alles für sich alleine auch keine Gründe. Aber dass Elephant diese Gründe ausgesprochen teilnahms- und lustlos zeigt und sie gar nicht richtig ernst nimmt -was eben Clockwork Orange bei all seiner bösen Ironie getan hat- führt gerade zur falschen Stellungnahme: Es wird wohl irgendwas zwischen all dem sein, egal was. Das ist nicht distanziert, das ist ein wenig faul (vergleichbar mit der aufgesetzt subtilen Bulimieszene, deren "Distanz" sehr kaschierend wirkt, da man hier wirklich nur ein innerhalb des Kontextes unnötiges Klischee sieht).

    Wer einen wichtigen und relevanten Film über Gewalt in Amerika sehen will, der sehe "Badlands" von Terrence Malick. Der behandelt ein Thema, das für mich bei den Schulamokläufen absolut oberste Priorität hat, aber völlig außer Acht gelassen wird: das Thema der Prominenz, einem Phänomen unseres modernen Zeitalters. Denn dass es vielleicht den zweiten Amoklauf so schnell nach dem ersten nicht gegeben hätte, wenn der erste nicht so dumm von den Medien behandelt worden wäre, ist für mich eine schmerzhafte Wahrheit. Die zur Aufklärung und Ehrlichkeit verpflichteten Medien erschaffen eben auch Prominenz, die über den Tod hinausreicht, auch wenn man daran verzweifelt, muss man das akzeptieren.

    PS: Riesensorry für den langen Text, ich fühlte mich bei Thema irgendwie verpflichtet, das nicht nur so abzuhandeln. Drückt ein Auge zu für mich.
    Geändert von Farman (16.05.2007 um 02:52 Uhr)

  11. #11
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    Zitat Zitat von Farman
    PS: Riesensorry für den langen Text, ich fühlte mich bei Thema irgendwie verpflichtet, das nicht nur so abzuhandeln. Drückt ein Auge zu für mich.
    Ich will dir hiermit vergeben! Zumal du recht interessante Dinge des Films aufzeigst! Super!
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