1. #1
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    Standard Dancer In The Dark

    Gesamtübersicht aller Kritiken zu Dancer In The Dark:

    #02 10.05.07 Despair
    Geändert von Despair (16.02.2008 um 21:58 Uhr)

  2. #2
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    Dancer In The Dark

    Die durch eine vererbte Augenkrankheit langsam erblindende Immigrantin Selma (Björk) hat nur ein Ziel im Leben: ihrem Sohn Jean dasselbe Schicksal zu ersparen. Um die teure Operation bezahlen zu können, arbeitet sie hart in einer Fabrik und spart, soviel sie kann. Als Ablenkung vom tristen Alltag wirkt sie in der örtlichen Laienschauspieltruppe an einer Musicalaufführung mit, wo sie als Hauptdarstellerin fungiert. Ihr Vermieter, der Polizist Bill (David Morse), hat ebenfalls Sorgen. Seine finanziellen Mittel sind aufgebraucht – eine Tatsache, die er vor seiner Frau nicht eingestehen will, da er Angst hat, von ihr verlassen zu werden. Doch er weiss von Selmas Ersparnissen...

    Regisseur Lars von Trier hat ein aufwühlendes Drama im Dogma-Stil erschaffen, das sich nicht ganz an die Regeln hält. Der dokumentarische Stil weicht in den eingestreuten Musical-Einlagen einer farbenfrohen Bilderflut, die Selmas Tagträumereien und Wunschvorstellungen sehr gut wiedergeben – besonders, wenn man ihre Augenkrankheit im Hinterkopf behält. Untermalt werden diese Szenen mit Björks originellem Gesang und Musik, die zum Teil aus den der gegenwärtigen Umgebung entnommenen Geräuschen besteht (ein fahrender Zug, Industrielärm). Das klingt gewöhnungsbedürftig und dürfte manch potentiellen Zuschauer bereits im Vorfeld abschrecken – besonders die Fraktion der Björk-Hasser wird sich mit Grausen abwenden. Schade, denn so entgeht ihnen ein Drama, das an Intensität kaum zu überbieten ist.

    Björk überzeugt in ihrer ersten (und höchstwahrscheinlich auch letzten) Filmrolle durch absolut authentisches Spiel, David Morse ist der hin- und hergerissene Polizist und auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt (Catherine Deneuve, Peter Stormare, Udo Kier).

    Fazit: wer Lars von Triers Filme im Stil von „Breaking The Waves“ zu schätzen weiss, kommt um dieses Meisterwerk nicht herum. Die teilweise vorhandenen Längen fallen kaum ins Gewicht und werden durch das extrem heftige Finale mehr als wettgemacht. Das lässt in meinen Augen nur eine Wertung zu:

    10/10 Punkte
    Geändert von Despair (10.05.2007 um 16:55 Uhr)

  3. #3
    Avatar von Farman
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    War ein Erlebnis der Film. Lars von Trier ist ohne Zweifel ein Unikum: Man weiß nie, ob er einen in seinen Aufopferungszelebrierungen belehren will, ob er emotionalisiert, sentimentalisiert, oder doch eher rationalisiert, ob er ein zynischer, misanthropischer oder eher rein humanistischer Zeitgenosse ist, ob er radikal-religiös ist oder das ganze zur Schau stellt... Wenn jemand vor der Macht eines Regisseurs niederknien will, soll er sich einen oder speziell diesen Film von Lars von Trier anschauen.
    Aufwühlend, ohne Zweifel, am Ende stockte mir sogar der Atem. Seine Filme haben was von Folter. Doch ist mir diese Folter sehr viel angenehmer als die eines Michael Haneke bspw. Denn ich fühle mich nicht mit dem Schlagstock belehrt, da ich bei von Trier im Gegensatz zu Haneke nie genau weiß, was genau er mich denn lehren will. Das macht diesen Film so faszinierend. Eine emotionale Tour de Force die einen ebenso entfremdet wie einnimmt. Lars von Trier spielt mit Pathos und Distanz, das ganze ist Tragödie und formales Spiel. Wenn mich ein Film so zurücklasst wie dieser, muss er großartig sein, auch wenn er bislang für mich noch so unergründlich war.

  4. #4
    Avatar von Vince
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    Sollte der jetzt mal im Free TV ausgestrahlt werden, schaue ich da auf jeden Fall rein. Der reizt mich vom Prinzip her schon lange (obwohl ich zu von Trier ein zwiespältiges Verhältnis habe), nur die Musicaleinlagen schrecken mich ab. Da bin ich sehr eigen, ich kann Tanz und Gesang als Ausdrucksform im Film überhaupt nicht ertragen. Andererseits dreht es sich ja um Björk, die könnte das schräg genug umsetzen, dass ich davon mal nicht angewidert wäre.

  5. #5
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    Zitat Zitat von Vince
    [...] nur die Musicaleinlagen schrecken mich ab. Da bin ich sehr eigen, ich kann Tanz und Gesang als Ausdrucksform im Film überhaupt nicht ertragen. Andererseits dreht es sich ja um Björk, die könnte das schräg genug umsetzen, dass ich davon mal nicht angewidert wäre.
    Hihi, das kenn' ich. Filme, in denen gesungen und getanzt wird, sind mir suspekt und werden es wohl immer sein (Ausnahme: "Nightmare Before Christmas", aber das ist was anderes). In diesem Fall kann ich aber Entwarnung geben, besonders, wenn du Björks Musik magst. Die Musicaleinlagen sind gut integriert und nicht zu lang und kitschig geraten. Und Peter Stormare oder Catherine Deneuve im Duett mit Björk - das hat man nicht alle Tage. Theoretisch kann man die Musicalszenen überspringen und den Film trotzdem geniessen - mir persönlich würde aber ein wichtiger Bestandteil fehlen.

  6. #6
    Avatar von Vince
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    Zitat Zitat von Despair
    Hihi, das kenn' ich. Filme, in denen gesungen und getanzt wird, sind mir suspekt und werden es wohl immer sein (Ausnahme: "Nightmare Before Christmas", aber das ist was anderes).
    Stimmt. Nightmare before Christmas und auch Corpse Bride, da kann ich es noch ertragen. Sogar in manchen älteren (nicht den neuen, da finde ich es grauenvoll) Disneyfilmen. Aber sonst ist das für mich ein totales No-Go.

    In diesem Fall kann ich aber Entwarnung geben, besonders, wenn du Björks Musik magst.
    Kann ich so nicht sagen, ist eigentlich nicht meine Musikrichtung. Auf jeden Fall mag ich es aber, wie sie Musik interpretiert.

    Die Musicaleinlagen sind gut integriert und nicht zu lang und kitschig geraten. Und Peter Stormare oder Catherine Deneuve im Duett mit Björk - das hat man nicht alle Tage. Theoretisch kann man die Musicalszenen überspringen und den Film trotzdem geniessen - mir persönlich würde aber ein wichtiger Bestandteil fehlen.
    Klare Sache, wenn schon, dann aber richtig.

  7. #7
    Gelöscht
    Avatar von Travis Bickle
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    Kompliment, deine Review hat mir jetzt wirklich Appetit auf den Film gemacht. Bin bis jetzt vor dem Film immer zurückgeschreckt, da ich wahrscheinlich ein noch wesentlich größerer Hardliner bin, als ihr es zu sein scheint. Sobald ein Film um mehr als eine Gesangs- oder Tanznummer angereichert wurde, deren Ausdrucksform gar noch ein zentrales Feld darstellt, gehen bei mir sofort sämtliche Rollos runter und ich will ihn nicht sehen. Einzige Ausnahme sind Musikfilme wie "Still Crazy" oder "Almost Famous", Da könnte ich ja, wenn mir die Musik nicht gefällt, die Konzertpassagen vorspulen und würde wohl kaum was von der Handlung versäumen. Aber Triers Dancer steht jetzt mal auf meiner Vormerkliste und ich werde ihn mir irgendwann doch ansehen.

  8. #8
    Avatar von deadlyfriend
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    Der steht jetzt seit 2 Jahren ungesehen im Regal. Habe es bisher nie geschafft ihn einzulegen. Liegt aber daran das ich im Vorfeld hörte das der Film extrem depressiv sei Und irgendwie überkam mich bislang nie der Wunsch ihn einzulegen obwohl dieser Wunsch fest im Hinterkopf verankert ist. Aber der Tag wird kommen.....

  9. #9
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    Avatar von Despair
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    Zitat Zitat von deadlyfriend
    Der steht jetzt seit 2 Jahren ungesehen im Regal. Habe es bisher nie geschafft ihn einzulegen. Liegt aber daran das ich im Vorfeld hörte das der Film extrem depressiv sei .....
    Der Film ist in der Tat ein ziemlich harter Brocken, der mindestens zwei sehr heftige Passagen enthält, die ich aber nicht spoilern möchte, da die meisten hier den Film wohl noch nicht gesehen haben. Doch in der ersten Hälfte gibt es durchaus die ein oder andere Szene, die zum Schmunzeln anregt, z. B. die "Liebesgeschichte" zwischen Selma und ihrem unbeholfenen Verehrer oder ein Kinobesuch mit ihrer Arbeitskollegin Kathy. Die Musical-Einlagen sind entweder träumerisch melancholisch oder pure gute Laune - was sich in der zweiten Filmhälfte allerdinds rapide ändert...
    Geändert von Despair (10.05.2007 um 22:54 Uhr)

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