1. #1
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    Standard The Fountain

    Gesamtübersicht aller Kritiken zu The Fountain:

    http://www.ofdb.de/images/film/93/93354.jpg

    #02 27.08.07 Vince
    Geändert von FGTH1308 (07.11.2007 um 20:26 Uhr)

  2. #2
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    THE FOUNTAIN
    Ausschnitte aus meiner ofdb-Kritik

    Wie Darren Aronofsky seinen Protagonisten schon in “π” feststellen ließ: Die Welt ist nach Mustern geordnet und diese Muster kehren immer wieder. Eine mögliche Interpretationsebene von “The Fountain” könnte ganz genauso verortet werden. Das Leben, seine Begleitumstände und seine Erscheinungsformen - Glauben, Kultur, Liebe, Tod - all dies folgt einem immer wiederkehrenden Muster. Vielleicht bietet Aronofsky genau deswegen konservativen Kitsch eines esoterisch angehauchten Liebesfilms auf, der seinen Gegenstand mit der Ewigkeit in Einklang bringen will - so wie es schon unzählige andere vor ihm gemacht haben, denen nichts besseres eingefallen ist, um das nach wie vor unergründete Gefühl der Liebe in Bild und Wort zu fassen.

    Dieses Motiv ist dazu in der Lage, den gesamten Film zu zerstören. Der stete Wechsel zwischen drei zeitlichen Perioden kann als das totale Chaos rezipiert werden, eine strahlende Buddha-Figur, die schwerelos im Sternenhimmel schwebt, wird wahrscheinlich mit Lächerlichkeit in Beziehung gebracht werden. Um das Universum nicht zerbersten zu lassen, benötigt man einen Schlüssel, der die Muster erklären kann und sie von dem Kontext des esoterischen Kitschs löst. Der Schlüssel liegt in der Interpretation und deswegen ist “The Fountain” ein Film, dessen Quintessenz von der Interpretationsfläche des einzelnen Individuums abhängig ist.

    Es wird mit der Psyche des Betrachters gespielt, wie ein Rorschachtest häufen sich Muster an, deren Anordnung ein zufälliger Niederschlag von einer Materie auf die andere ist. Die funkelnde Atmosphäre des flüssigen Goldes, das als Hintergrundbeleuchtung auserwählt wurde, um die Entstehung des Lebens darzustellen, sind kein CGI-Produkt, sondern Mikroskopaufnahmen der chemischen Reaktion von Stoffen aus einer Petrischale. Und die Entscheidung gegen die Computeranimation ist ein wahrer Glücksgriff für das Gesamtwerk. Nicht nur strahlen die Bilder eine ganz eigenwillige Faszination aus, die man kaum wieder so schnell vergessen wird, auch unterstützen sie das Schema besser, als es ein computergeneriertes Bild je hätte schaffen können. Anstatt von berechneter Kalkulation steht nun das Zufallsprodukt, eine mikroskopische Nahaufnahme der Entstehung des Lebens, die voll und ganz auf dem Prinzip des Zufalls basiert. Und darin ergeben sich nun zurückkehrende Anhäufungen, Gebilde, Figuren, die man wiedererkennt. Dabei ist alles ohne Bedeutung. Und doch ist die Welt voll davon. Das Leben ist ebenso redundant wie es alles ist, was existiert. Eine chemische Reaktion, die möglicherweise auch für die Liebe gilt, die hier scheinbar so oberflächlich und voller abgestandenem Pathos gefeiert wird als das Alpha und das Omega.

    Das klingt verwirrend und überladen? Doch genau so ist der weniger mit dem Verstand als vielmehr mit angeborenem Instinkt aufzunehmende Trip zu verstehen. Aronofsky erschafft eine Antithese zum aktuellen Gegenwartskino, indem er ganz einfach Zeitlosigkeit für sich beansprucht. Der surreal und überweltlich wirkende Sog entfaltet eine Anziehungskraft, die wahrlich nicht alltäglich ist.
    Ohne jeden Zweifel muss sich Aronofsky insbesondere nach seinen gefeierten Vorgängerwerken nun Größenwahn vorwerfen lassen, aber wahrscheinlich ist der Grund für die Bebilderung des Unmöglichen das exakte Gegenteil: das Gefühl, sich selbst mikroskopisch klein vorzukommen. Das Gefühl, nur ein Mensch zu sein.
    8/10

  3. #3
    Gelöscht
    Avatar von kelte
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    schreibst du auch beruflich kritiken?
    der kritik kann man nichts hinzufügen, ausser erstmal deine interpretation wirken zu lassen und dafür muss man sich die selbe zeit nehmen, wie für den film. zeit ist dabei egal denn irgendwie kommen immer wieder fragmente des films hoch und stellen zumindest mich zum dialog. der film ist sehr religiös und ich empfand ihn wie eine geburt gegen ende. man befindet sich für über eine stunde im cineastischen mutterbauch, und dann, dann wird man kurz vor schluss mit dem protagonisten rausgepresst,- ja man hat fast das gefühl, der film schnappt nach luft, aber und das ist die kunst des films, er macht dies zusammen mit dem zuschauer. die ruhe vor dem sturm, das luftanhalten und in dieser zeit zieht alles nochmal an einem vorbei in metaphern gepackt um schlussendlich "ausgehaucht" zu werden. der film hat eine stelle, jene im weltraum, die fantastisch konserviert wurde. das konservierte lebt, denn wenn ich an den film zurückdenke,- ich erinnere mich nicht unbedingt an den film sondern nur an das gefühlte. dieses gefühlte ist ein gemälde das sich stets verändert,- aber in einem rahmen gefangen ist. genial.
    kein verklärter pseudophilosophischer quark oder ne esotherische modeerscheinung der man folgt,- in dem film fühle ich essentielle dinge und was auf diesem planeten ist essentieller als die liebe? was ist schmerzahfter als diese zu verlieren und wieviel leben lang muss man räume durchwandern und in sich eine sehnsucht verspüren, etwas zu suchen was man nur ahnt? die hauptfigur, sie ist wie ein spielball des schicksals.
    und wie du schon sagtest Vince,- es ist zeitlos. der film ist zeitlos. sein geist ist zeitlos.
    man muss nur dahinterkommen, sein licht kennen und es erscheint ein körper den man mit imaginären händen wie einen vorhang öffnen kann. ja es ist fast wie das von Hesse erwähnte Magische Theater. in dieses Theater hat wirklich nicht jedermann Eintritt,- aber verrückt muss man auch nicht unbedingt sein. oder doch? :-)

  4. #4
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    Zitat Zitat von kelte
    schreibst du auch beruflich kritiken?
    Aber nein... ich habe einfach nur zu viel Zeit. Die Kritiken sind allerdings immer eine hervorragende Maßnahme gewesen, um fürs Studium und die Hausarbeiten / Klausuren in Übung zu bleiben.

    der kritik kann man nichts hinzufügen, ausser erstmal deine interpretation wirken zu lassen und dafür muss man sich die selbe zeit nehmen, wie für den film.
    Also wenn das mal kein Kompliment ist...

    in dieses Theater hat wirklich nicht jedermann Eintritt,- aber verrückt muss man auch nicht unbedingt sein. oder doch? :-)
    Na, vielleicht ein klein wenig.
    Das Interessante ist ja, dass er von der Presse ziemlich verrissen wurde und irgendwie eher vom Publikum geschätzt wird. Bei so einem Film würde man ja eigentlich eher das Umgekehrte erwarten, aber die Kritik stieß sich dann doch an dem Esoterik-Kitsch, während die Zuschauer sich überwiegend wohl von den Bildern verzaubern lassen.

  5. #5
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    Avatar von crizzo silverblue
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    Interessante und schwierige Kritik, Vince, die man tatsächlich auf sich wirken lassen muss. Ich kann das Ganze noch nicht wirklich fassen, bin aber auch auf diesen Streifen gespannt. Es scheint komplizierter Stoff zu sein, ein Aronofsky eben. Kann mir noch nicht vorstellen, ob ich den Schlüssel, ob ich den Zugang zu diesem Mikrokosmos finde, aber vielleicht gerade das auch die Herausforderung.

  6. #6
    Avatar von bluie
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    Bin auch sehr gespannt auf den Film.
    Nachdem ich deine Kritik gelesen hatte Vince, wollte ich den Film unbedingt haben.
    Gestern habe ich bei Karstadt inm Rahmen der 20% Aktion zugeschlagen.
    ich hoffe ich finde bald zeit den Film zu sehen.

  7. #7
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    Das ist ein Kauf, der sich lohnt, auch wenn man natürlich aufpassen muss, da der Film nichts für den Geschmack der Masse ist. Aber alleine die tolle DVD mit Holoschuber und superdickem Booklet ist es schon wert.

  8. #8
    Avatar von LivingDead
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    Ähnlich wie bei Farmans Kritk zu "Sonatine" gilt auch hier: Leider konnte ich den Film bisher noch nicht sehen und kann nichts weiter sagen, als dass du dein Review mal wieder höchst anspruchsvoll und bestrickend geschrieben hast.
    Werde mich auch hier nach Sichten des Filmes noch einmal zu Wort melden - der Film ist jetzt zumindest definitiv auf meine "Kaufen-Liste" gewandert...
    Mit freundlichem Gruß, LivingDead
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  9. #9
    Avatar von deadlyfriend
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    Jetzt habe ich gerade den Film endlich gesehen und bin völlig platt. Einfach fassungslos. Das ist der dritte Mega-Top Film von Aronofsky in Folge, weshalb ich ihn für mich als besten Regisseur der Neuzeit bezeichne. Da kommt meines Erachtens nur noch Christopher Nolan nah dran. Wirklich unglaublich was er da abgeliefert hat.

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