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  1. #16
    Gelöscht
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    Meine Meinung zur Rocky-Reihe versuche ich mal möglichst knapp aber nicht ausschließlich in Noten zusammenzufassen - was bei dieser Reihe wahrlich nicht leicht ist.

    Vor dem Original (dem 1.Teil) ziehe ich weiterhin aus vielen Gründen den Hut. Bestimmt nicht der Meilenstein des Sportfilms, aber ganz sicher einer der prägnantesten Meilensteine des Genres. Ein im wahrsten Sinne des Wortes wahr gewordener Traum unzähliger Underdogs, wenn man ganz fest an sich glaubt, wirklich (fast) alles schaffen zu können. Frei nach dem Motto: Du hast keine Chance, nutze sie. Das gilt für die Figur des Rocky Balboa in gleichem Maße, wie für dessen Erschaffer Sylvester Stallone. Was der Mann alles auf sich nahm und gewagte Risiken einging, diese Figur nicht nur auf die Leinwand zu hieven, sondern ihn dort auch zu verkörpern, nötigt mir bis heute tiefsten Respekt ab. Ein in jeder Beziehung beeindruckender Film, den man kaum hätte besser machen können. 9,5/10

    Teil 2 war eine in allen Beziehungen logische Konsequenz. Wirtschaftlich gesehen wäre es ein Unding gewesen, die Figur des Rocky nicht noch einmal in den Ring gegen Apollo Creed zu entsenden. Wie dies umgesetzt wurde, mit einer heftigen Portion Pathos, gehört zum großen Gefühlskino und erfüllte alle Erwartungen, die man in dieses Sequel setzen konnte. Für mich persönlich nicht mehr ganz so stark wie der Vorgänger, da die Originalität nicht mehr so explizit vorhanden war. Aber immer noch ein starker Film. 8/10

    Hätte man die Reihe mit diesem Film eingestellt, hätte der Filmwelt nicht wirklich was gefehlt. Wohl eher das Gegenteil ist der Fall. Denn was nun eintritt, ist der (nicht gerade überraschende) Todesritt eines perfekten Zweiteilers um des schnöden Mammons willen.

    Rocky 3 gab dann die Richtung vor: Rocky wird zum Superheld, dem plötzlich immer ein Superbösewicht vor die Nase gesetzt wird, den der strahlende Held eigentlich kaum besiegen kann und es dennoch heldenhaft tut. Nicht wirklich originell und auch nicht mehr sonderlich unterhaltsam.
    Im 3. Teil ist es dann die schier unbesiegbare von A-Team-Star Mr. T verkörperte Kampfmaschine. Wirkliche Höhepunkte oder gar überraschende Momente finden sich für mich in diesem Film kaum mehr. So bleiben lediglich die ordentlich choreographierten Kämpfe für's Auge und der sich mit Brachialgewalt ins Ohr hämmernde Survivor-Hit "Eye of the Tiger", welche die spärlichen Höhepunkte des "Ringelpitz mit Anfassen" bilden. 5/10

    Wenn man dachte, tiefer geht's nicht mehr, kam Rocky 4 daher. Lohnt wirklich nicht vieler Worte, der auf einen Boxkampf reduzierte Ost-West-Konflikt. Zumal dieser auch optisch kaum mehr zu überzeugen versteht. Nun ja, Dolph Lundrgen bescherte er seinen kurzzeitigen Durchbruch und Sly fand mit Brigitte Nielsen ein ebenfalls kurzzeitiges amouröses wie kostspieliges Abenteuer. 4/10

    Mit Rocky 5 wollte Sly von dem eingeschlagenen Weg der beiden Vorgängerfilme abrücken und der Serie einen bodenständigen Abgang ermöglichen. Ein Plan, der wie bekannt, restlos in die Hose ging. Anstatt Rocky einen würdevollen Abschied zu ermöglichen, wurde dieser vollends zum Kasper degradiert. Ein restlos trauriger Film, der im Endeffekt aber auch nicht wirklich schlechter als sein direkter Vorgänger ist. Ebenfalls 4/10

    Und nun, viele Jahre später, schafft es Stallone tatsächlich, seinem "Alter Ego" mit "Rocky Balboa" doch noch einen würdigen Abgang zu bereiten. Dafür gebührt ihm Respekt. Doch ganz so positiv wie die meisten vion euch sehe ich "Rocky Balboa" dann auch wieder nicht. Für mich ist eine, wer will es Stallone verdenken, eine auf Nummer sicher gehende Inszenierung, mit der er vornehmlich die alten Fans beglücken möchte. So ist die erste Stunde quasi eine Rocky-Revival-Tour, bei der er die Fans an die Hand nimmt und zu den entscheidenden Sationen ihres Lieblings führt, um dort in Erinnerungen zu schwelgen. Ein narrensicheres Konzept, die Herzen der Fans zu gewinnen. Innovativ ist dies aber wahrlich nicht. Als er dann zur Sache kommt und auch das heutige eventuell der Vorgänger nicht kundige Publikum in die Rocky-Mania zu integrieren versucht, geschieht dies viel zu abgehackt, übereilt und teilweise sogar etwas plump. Das Training, welches in den beiden ersten Teilen auch ein zentrales emotionelles Thema darstellt, wird hier im Eselsgalopp absolviert. Und der Kampf selbst wird, den aktuellen Schnitttechniken und den dadurch verbundenen Sehgewohnheiten des heutigen Kinopubblikoms Tribut zollendend, für meine Begriffe auch viel zu hektisch inszeniert. Mehr Muße und Intensität in diesem Teil des Films, hätte diesem bestimmt nicht geschadet. Keine Ahnung, weshalb er sich diese nicht nahm. Denn rund 120 Minuten Laufzeit hätten den Film wahrlich nicht geschadet und hätten diesem Teil deutlich inensiver gestaltet. Deshalb fon mir nur eine 6,5/10

    Dankbar bin ich Stallone allerdings, daß er das auf der DVD vorhandene alternative Ende nicht als tatsächliches Ende verwendete. So kann man dieses als Abschiedsgeschenk an die Fans betrachten. Würde mich aber nicht wundern, wenn Stallone ganz ernsthaft mit dem Gedanken gespielt hätte, die Alternative auch als tatsächlichen Abschluß zu wählen.

  2. #17
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    Da sehen wir die Reihe ja in etwa gleich. Wobei ich wirklich Teil 2 als den stärksten ansehe, aber das ist ja Geschmackssache.

    Zitat Zitat von Travis Bickle Beitrag anzeigen
    Und nun, viele Jahre später, schafft es Stallone tatsächlich, seinem "Alter Ego" mit "Rocky Balboa" doch noch einen würdigen Abgang zu bereiten. Dafür gebührt ihm Respekt. Doch ganz so positiv wie die meisten vion euch sehe ich "Rocky Balboa" dann auch wieder nicht. Für mich ist eine, wer will es Stallone verdenken, eine auf Nummer sicher gehende Inszenierung, mit der er vornehmlich die alten Fans beglücken möchte.
    Da gehst Du aber "hart" ins Gericht mit Rocky Balboa. Ist natürlich richtig das Stallone auf Nummer sicher ging bei dem Projekt, aber was blieb ihn auch anderes übrig? Das er es wesentlich schlechter kann hat er uns ja mit Teil 5 eindeutig bewiesen. Also rechne ich Ihn dieses Back to the Roots hoch an. Das kann und will ich Ihn nicht vorwerfen.

    Dankbar bin ich Stallone allerdings, daß er das auf der DVD vorhandene alternative Ende nicht als tatsächliches Ende verwendete. So kann man dieses als Abschiedsgeschenk an die Fans betrachten. Würde mich aber nicht wundern, wenn Stallone ganz ernsthaft mit dem Gedanken gespielt hätte, die Alternative auch als tatsächlichen Abschluß zu wählen.
    Das wäre wirklich zuviel des guten gewesen, da gebe ich Dir recht. So wie es ist passt das Ende hervorragend. Aber recht hast Du, Stallone ist auch zu zutrauen das er das alternative Ende in Betracht gezogen hat.

  3. #18
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    Zitat Zitat von FGTH1308 Beitrag anzeigen
    Also rechne ich Ihn dieses Back to the Roots hoch an. Das kann und will ich Ihn nicht vorwerfen.
    Direkt vorgeworfen habe ich es ihm ja nicht, eher angemerkt.
    Ich kann diese Einstellung auf "Nummer sicher" zu setzen durchaus verstehen und nachvollziehen, zumal nach dem Disaster des 5. Teils. Ist halt der widerstandloseste und dadurch auch für die alten Fans sympathischste Weg. Keine Frage.

    Stallone ist auch zu zutrauen das er das alternative Ende in Betracht gezogen hat.
    Genau dieses Gefühl hatte ich, als ich das alternative Ende gesehen hatte. Vor meinem geistigen Auge sah ich Stallone um diese Fassung erbittert kämpfen, bis man ihn ruhig, höflich und sachlich ("Bist du jetzt völlig wahnsinnig, der Kampf des Rentners gegen diesen Ausnahmeboxer ist so schon unglaubwürdig genug, da kannst dies nicht noch so toppen. Das nimmt dir dann auch der größte Idiot nicht mehr ab und du machst alles zuvor aufgebaute kaputt") überredet hat.

  4. #19
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    Zitat Zitat von Travis Bickle Beitrag anzeigen
    . Ist halt der widerstandloseste und dadurch auch für die alten Fans sympathischste Weg. Keine Frage.
    Und wahrscheinlich auch der einzige Weg die Fans nicht vollständig zu vergraulen. In den 90ern hat Stallone ja soviel falsch gemacht, das ich nicht wirklich an so ein Comeback geglaubt habe. Sicherlich ist in der Wertung für Rocky Balboa ein gewisser Nostalgiebonus, das will ich nicht mal abstreiten.


    Vor meinem geistigen Auge sah ich Stallone um diese Fassung erbittert kämpfen, bis man ihn ruhig, höflich und sachlich ("Bist du jetzt völlig wahnsinnig, der Kampf des Rentners gegen diesen Ausnahmeboxer ist so schon unglaubwürdig genug, da kannst dies nicht noch so toppen. Das nimmt dir dann auch der größte Idiot nicht mehr ab und du machst alles zuvor aufgebaute kaputt")
    Deine plastische Beschreibung macht das alternative Ende wirklich zu einen Höhepunkt in der Geschichte des Bonusmaterials. herrlich, ich lache gerade Tränen
    Und weisst Du was er den Produzenten gesagt hat als das er das Ende nicht durchgedrückt hat? " Dann mache ich eben Rambo IV, Ihr Pfeifen!"
    Geändert von FGTH1308 (16.03.2008 um 20:36 Uhr)

  5. #20
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    Zitat Zitat von FGTH1308 Beitrag anzeigen
    Und weisst Du was er den Produzenten gesagt hat als das er das Ende nicht durchgedrückt hat? " Dann mache ich eben Rambo IV, Ihr Pfeifen!"
    Genau. Das war aber noch nicht das Ende des Gesprächs. Immer noch schmollend drehte sich Stallone um und begab sich grußlos in Richtung Tür. Plötzlich umspielte ein hämisches Grinsen seine Lippen und er brummelte für die anderen kaum hörbar:
    " Pah, wartet ihr nur ab. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Laßt Rocky Balboa, auch mit eurem dämlichen Ende, und John Rambo an der Kinokasse mal so richtig Geld machen, dann werden wir ja sehen. Das Drehbuch zu "Rocky Balboa - Das Re-Match des Jahrtausends" und jene für die nächsten beiden Back-to-Back zu drehenden Rambo-Sequels liegen bereits fix und fertig in meiner Schublade. Ich werd's euch Ignoranten schon noch zeigen, daß Rocky sehr wohl noch Weltmeister werden kann und Rambo....."
    Mit einem immer breiter und selbstzufrieden werdenden Grinsen schloß Stallone die Tür und richtete seinen Blick in eine für ihn rosig aussehende Zukunft, die aus seiner Sicht ruhig noch zwei Jahrzehnte so weitergehen kann.

  6. #21
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    Hi,
    ich habe vor kurzem mal wieder Rocky geschaut. Aber zwei Szenen kann ich nicht recht nachvollzienen.
    Ich poste sie mal (mit Spoiler- Tags) damit mir sie vllt jmd. erklären kann.


    Die erste Szene ist da, wo Rocky die Schwester seines Freundes Paulie nach dem Date zu sich nach Hause holt. Sie ist wirklich total schüchtern, wie man im Laufe des Films gemerkt hat. Zum Ende der Szene geht Rocky sehr nah an sie ran und küsst sie. Nach einigen Augenblicken erwiedert sie den Kuss und die beiden küssen sich sehr viel.
    Wie kam es, dass sie die Schüchternheit irgendwie auf einmal ablegt? Ich hatte eher damit gerechnet, dass sie Rocky wegstoßen oder die Wohnung verlassen würde.



    Die zweite Szene findet auch in Rockys Wohnung statt. Am Abend bekommt er Besuch von Mickey, dem Leiter des Box- Centers. Er macht Rocky das Angebot, ihn zu Managen. Rocky regt sich an der Stelle auf, dass er ihn das erst zu dieser Zeit fragt und dass er ihn schon vor Jahren danach hätte fragen können. Jedenfalls ist Rocky sehr abweisend und wartet in einem Nebenraum, bis Mickey die Wohnung verlassen hat. Als man Mickey schon die Strasse entlanglaufen sieht, kommt Rocky aber auf einmal aus seiner Wohnung zu ihm hin gelaufen und will ihn wohl doch als Manager haben. Aus welchem Grund hat sich Rocky von einem Moment auf den anderen umentschieden?
    Geändert von Nemesis88 (18.04.2008 um 19:01 Uhr) Grund: Spoiler- Tags entfernt
    Wozu soll ich kochen lernen, wenn ich bereits weiss, wie man eine Pizza bestellt?

  7. #22
    Avatar von Neocortex
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    Zitat Zitat von Nemesis88 Beitrag anzeigen
    Hi,
    ich habe vor kurzem mal wieder Rocky geschaut. Aber zwei Szenen kann ich nicht recht nachvollzienen.
    Ich poste sie mal (mit Spoiler- Tags) damit mir sie vllt jmd. erklären kann.
    Spoiler sind da wohl nicht nötig. Aber zu Frage eins: Fühlt man sich zu einem Menschen hingezogen, entsteht etwas wie Vertrautheit und auf einmal kann dann auch Schüchternheit ganz schnell verfliegen.

    Zu Frage zwei: Keine Ahnung, aus wahrscheinlich denselben Gründen quasseln mordgierige Fieslinge in Filmen immer solange pistolen-, messer- oder sonstwasfuchtelnd auf ihre Opfer ein, bis diese irgendwie entkommen und den Fieslingen das Handwerk legen. Nennt sich Dramaturgie
    "I'll play it and tell you what it is later"
    - Miles Davis -
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  8. #23
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    Zitat Zitat von Neocortex Beitrag anzeigen
    Spoiler sind da wohl nicht nötig.
    Hast recht. Hier wird ja ein Film diskutiert und da werden wohl auch nur die mitmachen, die den Film auch schon gesehen haben. Ich habe die Spoiler- Tags mal entfernt.

    Zitat Zitat von Neocortex
    Aber zu Frage eins: Fühlt man sich zu einem Menschen hingezogen, entsteht etwas wie Vertrautheit und auf einmal kann dann auch Schüchternheit ganz schnell verfliegen.
    Ja, gut. Das klingt für mich relativ plausibel. Dann hat sie sich also eigentlich schon immer zu Rocky hingezogen gefühlt, auch wenn man es erst wohl nicht so gemerkt hat.

    Zitat Zitat von Neocortex
    Zu Frage zwei: Keine Ahnung, aus wahrscheinlich denselben Gründen quasseln mordgierige Fieslinge in Filmen immer solange pistolen-, messer- oder sonstwasfuchtelnd auf ihre Opfer ein, bis diese irgendwie entkommen und den Fieslingen das Handwerk legen. Nennt sich Dramaturgie
    Hm, vllt wollte er eigentlich auch, dass Mickey sein Manager wird. Nur wollte er nicht auf einmal "Okay" sagen. Erst wollte er ihm die Vorwürfe machen. Dann merkt Rocky, dass er ihn doch etwas damit getroffen hat und versöhnt sich mit ihm. So deute ich das jetzt aus deiner Erklärung.
    Wozu soll ich kochen lernen, wenn ich bereits weiss, wie man eine Pizza bestellt?

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