1. #1
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    Standard Idiocracy

    Gesamtübersicht aller Kritiken zu Idiocracy:

    #02 16.10.07 Vince

  2. #2
    Themenstarter
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    IDIOCRACY
    Ausschnitte aus meiner ofdb-Kritik

    Zeit für eine neue Dystopie! Mit der Komödie “Idiocracy” zeigt Mike Judge in der ihm eigenen Sprache, wohin uns der Weg frei nach Darwin führen wird, wenn wir uns der Volksverdummung auch weiterhin so fügen wie bisher. Der Durchschnittsmensch von 2006, der sich über “White Chicks” und “Big Mamas Haus 2" prächtig amüsieren kann und in “Die Passion Christi” in erster Linie einen prächtigen Splatterfilm sieht, darf sich im ersten Moment überlegen fühlen, wenn er erkennt, wie intelligent er gegenüber dem ist, was in 500 Jahren die Erde bevölkern wird. Ein Film, in dem 90 Minuten lang ein furzender Arsch gezeigt wird, hat dort nämlich gerade drei Oscars gewonnen, bei Starbucks wird man neuerdings sexuell bedient (“Tall Latte”) und der Präsident ist ein Jackass, gegen den Johnny Knoxville wie ein Gelehrter erscheint. Ein George W. Bush zumindest wie ein schlaues Kerlchen.

    Was für ein Geniestreich, nun ausgerechnet Luke Wilson als intellektuellen Apostel in die Zukunft zu schicken! Wilson, in aller Regel als treudoofer Traumkerl in Romanzen eingesetzt und immer den gleichen Typus bedienend, findet zum wohl ersten Mal in seiner Karriere so etwas wie eine vorläufige “Lebensrolle”. Das Grandiose daran: Wenn man Wilsons Schauspiel schon nicht biegen kann, biegt man eben sein Umfeld. Der Mann spielt immer noch die gleiche Figur wie immer, einen Durchschnittslangweiler eben. Aber daraus, dass er nun in einer Gesellschaft agiert, der er intellektuell meilenweit überlegen ist, bezieht die Rolle ihren Reiz. Wilsons Besetzung ist somit ein ähnlicher Clou wie derjenige von Adam Sandler in Paul W. Andersons “Punch Drunk Love”.

    In Sachen Aufbau und Story-Antrieb bleibt “Idiocracy” trotz der gelungenen Konstellation und der hervorragenden ersten Minuten, die in ihrer explanierenden Art an den Beginn von Spike Jonzes “Adaption.” erinnern, leider noch einen Beweis seiner Klasse schuldig. Die Erklärung für die Reise in die Zukunft ist billigst zusammengeschusterter Science Fiction-Müll, der zudem in der Anlage auch noch stark an “Futurama” angelehnt ist. Ein von der Army entwickelter Gefrierschrank, der durch Zufall auf einem Müllberg in Vergessenheit gerät und 500 Jahre später durch eine Rutschpartie geöffnet wird, zeugt davon, dass es den Machern relativ egal war, wie man den Helden in die Zukunft befördern würde, Hauptsache, es würde irgendwie geschehen.

    Die Stärken der Gesellschaftssatire zeigen sich erwartungsgemäß dann auch eher in den Details. Insbesondere die Darstellung der bescheuerten Bevölkerung aus der Zukunft ist so verblüffend gelungen, dass man manchmal kurz irritiert ist und überlegen muss, ob das überhaupt Menschen sind und nicht irgendwelche menschlich aussehenden dummen Aliens - bis immer mal wieder die übrig gebliebene Menschlichkeit kurz aufblitzt. Dank Luke Wilsons durch und durch “normaler” Darstellung ist das Identifikationspotenzial mit dem hier intelligentesten Menschen der Erde sehr hoch.

    Dahingehend ist es eher zweitrangig, dass das Produktionsdesign nur bedingt überzeugen kann und mit seiner Künstlichkeit ein ums andere Mal auffällt. Überhaupt ist Judges neues Werk keinesfalls als ausgefeilter Zukunftsausblick zu verstehen; Grobmotorik beherrscht den Verve. Mit einem gewissen Verständnis für guten Trash lässt sich “Idiocracy” letztendlich am besten konsumieren. Die transportierte Aussage mag am Ende ein wenig zu deutlich ausfallen, spricht aber zumindest mir persönlich aus tiefstem Herzen und da verzeiht man auch gerne mal die ein oder andere Unzulänglichkeit in der handwerklichen Ausarbeitung. Worauf es ankommt, ist aber vortrefflich gelungen und insofern wird Mike Judge seiner anarchischen Ausnahmestellung in der amerikanischen Popkultur mal wieder vollkommen gerecht.
    7.5/10

  3. #3
    Gelöscht
    Avatar von Travis Bickle
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    Bei dem Film war und bin ich immer noch am überlegen, was ich mit ihm anfangen soll. Überhaupt nicht beachten, leihen oder gleich kaufen. Deine gelungene Kritik hat mir im Endeffekte denoch nicht wirklich weitergeholfen, da ich mich weiterhin frage, ob ich mit dieser Art von Humor etwas anfangen kann. Wohl eher nicht, weshalb die goldene Mitte für mich am passendsten erscheint und ich mich in die Videothek begeben werde. Dank dir aber dennoch für deine schön zu lesende Kritik.

  4. #4
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    Oh ja, ich denke, du wärst hin- und hergerissen. Die Idee hinter dem Projekt dürfte dir voll und ganz zusagen, denn es geht ja immerhin um einen kritischen Kommentar zur Verblödung der Gesellschaft. Was dir aufstoßen könnte, sind die Mittel, mit denen dieser kritische Kommentar vorgetragen wird: Eben die besagte verblödete Gesellschaft. Das heißt, man sieht nur dumme Leute, die dumme Dinge tun - also quasi eine Proletenkomödie. Dies aber eben nicht zur Unterhaltung anderer Proleten, sondern als Mahnmal dafür, dass es so nicht weitergehen kann.

    Wer "Beavis & Butt-Head" schon hasste, wird wohl mit "Idiocracy" auch nicht viel anfangen können, dahinter verbirgt sich nämlich das gleiche Prinzip.

  5. #5
    Avatar von LivingDead
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    Völlig an mir vorbei gegangen der Film... Eine sehr reizvolle Kritik von dir, Vince, und dazu auch noch sehr schön geschrieben. Werde mir den Film auf jeden Fall vormerken, denn für solche Geschichten bin ich eigentlich immer zu haben. Und der Humor dürfte wohl auch vollkommen auf meiner Wellenlänge liegen.
    Mit freundlichem Gruß, LivingDead
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  6. #6
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    Zitat Zitat von LivingDead
    Und der Humor dürfte wohl auch vollkommen auf meiner Wellenlänge liegen.
    Ich wusste es schon immer - du Prolet!

  7. #7
    Avatar von LivingDead
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    Zitat Zitat von Vince
    Ich wusste es schon immer - du Prolet!
    *Rülps*... ähem... hat jemand was gesagt?
    Mit freundlichem Gruß, LivingDead
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