Ab wann geht Asozialität im Entertainment zu weit?

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pzyycho

Gast
Eine spontane Frage meinerseits, weil ich mir gerade SOZIOPATH von Hollywood Hank anhöre und mit einem Kumpel nebenbei in WhatsApp über diese Frage diskutiere.
Die Texte sind roh, grausam und einfach meilenweit abseits der gesellschaftlich akzeptierten Norm. Es wird über Kannibalismus, Vergewaltigung, Mord, Pädophilie und Folterung gerappt ohne dass es hinterfragt wird, im Gegenteil, eher noch gutgeheißen wird es. Natürlich weiß ich als Kenner seiner Musik und seines Hintergrunds, dass er es nicht wirklich tut und hier maßlos übertreibt. Trotzdem würde dem Laien wahrscheinlich schlecht werden bei diesen Texten, deshalb meine Frage:
Darf man als Kunstform maximal unmenschliche Dinge sagen/singen/rappen, um eine gewisse Art von Humor zu befriedigen? Als Beispiel seiner Texte füge ich gleich noch ein Musikvideo ein, bitte erst anhören und dann argumentieren, ob DAS so sein darf eurer Meinung nach.

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GenX66

Gast
Wer das als "Humor" ansieht, bitte sehr! Da habe ich nichts dagegen einzuwenden. Ich denke, es ist auch nicht sonderlich ernst gemeint. Es gab schon vor Jahren von Sido einen Remix von "Mein Block", wo auch grenzwertige Worte und Metaphern verwendet wurden.

Eine Verrohung der Gesellschaft sehe ich nicht. Ich denke nur, die Jugendsprache und der Umgang mit Kultur entspricht immer dem Zeitgeist der Gegenwart. Sprich: Was damals als anrüchig empfunden wurde, kann heute schon wieder extrem langweilig sein. Siehe die Rolling Stones: Damals ein Aufreger, heute bekommen sie für ihre rebellische Art doch nur noch ein leichtes und müdes Lächeln, wenn überhaupt.

Themen wie Vergewaltigung, Nekophilie oder Sodomie sind und waren schon immer Tabu-Themen (Die Band "Die Ärzte" griffen diese Themen gerne erfolgreich auf), deshalb werden sie auch heute immer noch in die Jugendkultur kolportiert.
Das empfinde ich nicht als anstößig, denn im RL wissen vor allem die meisten Jugendlichen, dass es sich in solchen Texten sehr wohl um Straftaten handelt. Alles, was verboten ist, wirkt aber nun einmal anziehend auf diese Altersklasse. Von daher ist meine Meinung, einfach mal entspannt zurücklehnen und hoffen, es ist eine Phase und die geht wieder vorbei. Jedenfalls war das bei meinem Sohn (17) so. ;)

Von Asozialität im Allgemeinen würde ich nicht sprechen. Es ist eine Mischung aus Lifestyle, Kultur und Zeitgeist. Dieser Mix kann manchmal etwas rauher sein, aber so ist das allgemeine Leben an sich auch. Meinungsfreiheit kennt keine Grenzen. Deshalb sollte sich jedermann dazu äußern dürfen, wenn er ein Verlangen danach hat. Ob ihm dann am Ende zugehört wird, steht auf einem anderen Blatt.
 
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EmGeeWombat

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In meinen Augen sollte auch Kunst nicht alles dürfen. Joel Peter Witkin hat Fotografien gemacht in denen er Leichen oder Leichenteile darauf inszeniert hat. Klar sieht irgendwie kunstvoll aus, ist aber trotzdem ganz perverse Scheiße.
Rapper kann ich sowieso nicht ernstnehmen. Es geht nur darum möglichst zu polarisieren. Wenn dich keiner kennt dann versuch halt so abartig wie möglich zu sein und du bekommst deine Aufmerksamkeit. Das Verhalten zieht sich durch unsere komplette Gesellschaft. Egal ob Musik, Film oder TV-Shows. Irgendjemand denkt sich immer nochmal ne dümmere Scheiße aus um Leute anzuziehen.

Das man sich früher schon über die Stones aufgeregt hat was heute nur belächelt beunruhigt mich dabei nur noch mehr weil eben das ein Indiz für die Verrohung der Gesellschaft ist.

Sich in irgendeiner Form positiv über Vergewaltigung zu äußern ist schlicht abartig und hat nix mit Kunstfreiheit zu tun. Meine Meinung.

"Ich fi** deine behinderte Bit** und infiziere sie mit Aids..."
Ha mega, mein Gott ist dieser Neukölln-Ghetto-Slang armselig. Ich raff den Sinn dahinter nicht, mehr als Aufmerksamkeitshascherei ist das doch nicht. Es ist ja noch nichtmal der wirklich abartige Inhalt, wenns wenigstens kreativ wäre. Lächerlicher Vogel.
 
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pzyycho

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In meinen Augen sollte auch Kunst nicht alles dürfen. Joel Peter Witkin hat Fotografien gemacht in denen er Leichen oder Leichenteile darauf inszeniert hat. Klar sieht irgendwie kunstvoll aus, ist aber trotzdem ganz perverse Scheiße.
Rapper kann ich sowieso nicht ernstnehmen. Es geht nur darum möglichst zu polarisieren. Wenn dich keiner kennt dann versuch halt so abartig wie möglich zu sein und du bekommst deine Aufmerksamkeit. Das Verhalten zieht sich durch unsere komplette Gesellschaft. Egal ob Musik, Film oder TV-Shows. Irgendjemand denkt sich immer nochmal ne dümmere Scheiße aus um Leute anzuziehen.

Das man sich früher schon über die Stones aufgeregt hat was heute nur belächelt beunruhigt mich dabei nur noch mehr weil eben das ein Indiz für die Verrohung der Gesellschaft ist.

Sich in irgendeiner Form positiv über Vergewaltigung zu äußern ist schlicht abartig und hat nix mit Kunstfreiheit zu tun. Meine Meinung.

"Ich fi** deine behinderte Bit** und infiziere sie mit Aids..."
Ha mega, mein Gott ist dieser Neukölln-Ghetto-Slang armselig. Ich raff den Sinn dahinter nicht, mehr als Aufmerksamkeitshascherei ist das doch nicht. Es ist ja noch nichtmal der wirklich abartige Inhalt, wenns wenigstens kreativ wäre. Lächerlicher Vogel.

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich möchte trotzdem ein paar Dinge anfechten. ^^

Rapper wie Hollywood Hank machen ihre Musik nicht, um möglichst zu polarisieren. Hank hier z.B. konnte nie von seiner Musik leben, er hat sich selbst produziert und einfach sein Image als soziopathischer Abschaum in seinen Texten gepflegt. Der Sinn dahinter war einfach sein krankes Talent, wenn es um Flow und das allgemeine Taktgefühl geht. Stell dir einfach vor, man hat SAW oder Hostel als Musikform vor sich, ebenso krank wie diese Filme ist eben seine Musik. Und würde Hank polarisieren wollen, wäre er zu seiner aktiven Zeit deutlich mehr in der Öffentlichkeit gewesen. Fakt ist, dass er kaum Interviews gegeben hat und einfach still seine Musik gemacht hat.

Zur Verrohung der Gesellschaft... findest du nicht, dass du da etwas spitz reagierst? Nur weil die Gesellschaft intelligenter geworden ist und Kunst vom realen Leben zu unterscheiden gelernt hat, verroht man doch nicht? Comics waren auch mal böse, Bücher auch. Dann kamen Leute, die sich damit beschäftigt haben und erkannt haben "Aha, ist ja nur Kunst, die zwar Erwachsenen in bestimmten Fällen vorenthalten sein sollte, aber reflektierte Menschen wissen, dass es nur Kunst ist, die nicht das echte Leben abbildet.".
Wenn es nach deiner Argumentation geht, dürfte es keine Satire oder Sarkasmus geben. Provozieren als Teil der Kunst war immer schon Teil der menschlichen Kultur. Ich erinnere nur an die Gemälde von Alexandra Birschmann oder Jan Toorop. Beide haben zu unterschiedlichen Zeiten gemalt und doch jeweils zu ihrer Zeit für Kontroversen gesorgt.

Um den Bogen zu Hollywood Hank zu spannen: Meinst du nicht auch, dass man durch seine Texte vielleicht ins Grübeln kommen könnte, ob man so sein möchte und ob es erstrebenswert ist?
 

EmGeeWombat

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Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich möchte trotzdem ein paar Dinge anfechten. ^^

Rapper wie Hollywood Hank machen ihre Musik nicht, um möglichst zu polarisieren. Hank hier z.B. konnte nie von seiner Musik leben, er hat sich selbst produziert und einfach sein Image als soziopathischer Abschaum in seinen Texten gepflegt. Der Sinn dahinter war einfach sein krankes Talent, wenn es um Flow und das allgemeine Taktgefühl geht. Stell dir einfach vor, man hat SAW oder Hostel als Musikform vor sich, ebenso krank wie diese Filme ist eben seine Musik. Und würde Hank polarisieren wollen, wäre er zu seiner aktiven Zeit deutlich mehr in der Öffentlichkeit gewesen. Fakt ist, dass er kaum Interviews gegeben hat und einfach still seine Musik gemacht hat.

Zur Verrohung der Gesellschaft... findest du nicht, dass du da etwas spitz reagierst? Nur weil die Gesellschaft intelligenter geworden ist und Kunst vom realen Leben zu unterscheiden gelernt hat, verroht man doch nicht? Comics waren auch mal böse, Bücher auch. Dann kamen Leute, die sich damit beschäftigt haben und erkannt haben "Aha, ist ja nur Kunst, die zwar Erwachsenen in bestimmten Fällen vorenthalten sein sollte, aber reflektierte Menschen wissen, dass es nur Kunst ist, die nicht das echte Leben abbildet.".
Wenn es nach deiner Argumentation geht, dürfte es keine Satire oder Sarkasmus geben. Provozieren als Teil der Kunst war immer schon Teil der menschlichen Kultur. Ich erinnere nur an die Gemälde von Alexandra Birschmann oder Jan Toorop. Beide haben zu unterschiedlichen Zeiten gemalt und doch jeweils zu ihrer Zeit für Kontroversen gesorgt.

Um den Bogen zu Hollywood Hank zu spannen: Meinst du nicht auch, dass man durch seine Texte vielleicht ins Grübeln kommen könnte, ob man so sein möchte und ob es erstrebenswert ist?
Also zum Ersten Absatz:

Ok, scheinbar war er nicht sehr erfolgreich, könnte natürlich auch an seiner Musik selbst liegen. Es ist immer schwer die Gründe für Erfolg und Misserfolg zu finden. Dass er kaum Interviews gegeben hat und seine Musik eher still macht, spricht für mich auch eher gegen ihn. Dadurch bleibt auch nicht viel Spielraum wie man seine Werke nun nehmen soll. Jemand der so ein Zeug macht, wirkt auf mich erdtmal etwas gestört aber gut, das kann gut an meinen Vorurteilen liegen. Ich hab einfach generell ein Problem mit solchen Fantasien wenn für mich nicht klar ersichtlich irgendein künstlerischer Anspruch zu finden ist.

Zum zweiten Absatz:

In gewisser Hinsicht halte ich die Gesellschaft wirklich für verroht.
An deinem Beispielen mit Comics und Musik sieht man ja, dass es in den Jahrzehnten immer irgendeine Steigerung gab und weiter gibt. Thema Fernsehen habe ich ja bereits angesprochen, alles wird darauf ausgelegt möglichst den nächsten großen Schock zu generieren.
Ich hab mit der Provokation an sich auch kein Problem. Satire wird halt immer auch irgendwo als Satire erkannt.
Ein relativ aktuelles Beispiel auch in der Musik ist der Song "Dein Lied" von Kraftklub. Da rasten alle komplett aus weil das Lied ja angeblich vermittelt es wäre ok Frauen als Hure zu beschimpfen. Da wird selbst von erfahrenen Kritikern nicht zwischen dem Ich des Künstlers und dem lyrischen Ich unterschieden. In einem Interview haben sie klar gemacht, dass sie es einfach reizvoll fanden ein Lied aus der Sicht eines gekränkten Typen zu schreiben der eben die Kontrolle verliert. Damit hatte ich auch kein Problem mit dem Lied, auch weil mir aus anderen Lieder der Band klar ist, welche Werte sie egl vertreten.

Und damit komme ich auch zu deinem letzten Absatz:

Wenn die Absicht hinter seinen Werken diese ist, dann wäre es für mich ja sogar akzeptabel, aber da er ja scheinbar wirklich nur sowas macht um wirklich jede mögliche Grenze zu übertreten und sonst nicht erkennen lässt ob deine Theorie auch zutrifft, fällt es mir eher schwer daran zu glauben.
Bei krassen Filmen weiß man ja woran man ist, wobei Filme die offen extreme Positionen (zB Rechtes Gedankengut) propagieren auch eher kritisch beäugt werden würden. Bei Musik hast du halt aber immer jemanden, der dem Publikum direkt etwas mitteilt und etwas vertritt. Deshalb wird Rechtsrock auch nicht als Kunst gesehen und deshalb kann ich "Musiker" die offen propagieren wie sie jemanden mit AIDS anstecken auch nicht ernstnehmen. Wobei bei einem Musiker immer auch das Gesamtbild dazu gehört. Hab jetzt kein Bild von ihm gesehen aber wenn ich mir die überharten Typen von 187 Straßenbande auf ihrem Album anschaue wie sie um die Wette böse gucken, Sorry ich kann die nicht ernst nehmen.

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