Yanukanji - Resort der Ewigkeit

Phuindrad

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Romantisch zwischen sanften Hügeln und kleinen Bächen in den Grünen weiten des Landes gelegen befindet sich Yanukanji, welches das Resort der Ewigkeit genannt wird. Altertümliche Fachwerkhäuser, vor Jahrhunderten entstanden luden zum verweilen ein, sich zu entspannen, so lange wie es geht. Die Gebäude des Resorts sind von einem hohen Zaun umgeben. Es sieht alles gepflegt und schmuck aus, viele Touristen reisen an diesen Ort.
Wie im Himmel soll es sein, ein Hafen der Ruhe, der Entspannung. Wer würde dort schon etwas anderes erwarten als die Werbung einen unwissenden Touristen vorgaukelt?
Niemand, da man erstaunlich naiv sein kann.
Kapitel 1:
Der Eintritt in die Ewigkeit


Es ist das Jahr 1987, besser gesagt der Spätsommer 1987, in welchem Land wir uns befinden? Ist das so wichtig? Ebenso wenig mein Name. Vieleicht verrate ich ihn noch wenn die Zeit reif ist. Wichtiger ist was mich dazu brachte im Yanukanji zu nächtigen. So triviaal es klingen mag, aber ich war einfach allem überdrüssig und brauchte dringend eine Pause. Ich mag zwar erst Achtzehn sein, doch habe ich bereits einiges kennenlernen müssen und arbeiten dürfen, ohne Urlaub. Nun hat man mich endlich wiederwillig in zwei Wochen Urlaub entlassen, in ein günstiges Resort.
Ich entsteige dem Taxi, bezahle den unverschähmten Taxifahrer und nähere mich dem Hauptgebäude. Ich betrete die große Halle im Gebäude, die Eichentür hinter mir schwingt wie von alleine zu. Seltsam, denke ich, wo sind die Bediensteten? Wo ist überhaupt jemand?
"Hm.", sage ich.
"Habe ich nicht eine Tasche vergessen?", bemerke ich.
Ich öffne die Tür und will es wiederholen. Aus dem nichts hällt mich jemand zurück.
"Halt. Du darfst dieses Haus nicht mehr verlassen!", droht mich ein älterer Mann an.
"Was? Wieso?"
"Weil du nun Teil der Ewigkeit bist. Du kannst das Gelände nicht verlassen.", ich sehe ihn fragend an.
"Du glaubst es nicht? Ich tat es auch nicht als ich hier angelangte."
Er öffnete die Tür und hielt den Arm aus der Tür, sein Arm schien im Tageslicht zu verblassen.
"Was zum..." sagte ich erstaunt.
"Wenn du diesen Ort verlässt, verschwindest du und stirbst. So ergeht es jeden. Nebenbei, welches Jahr haben wir?"
"Neun... 1987..."
"Das... Also bin ich bereits 73 Jahr hier...", ich verstehe nicht was er meinen mag, vieleiccht verstehe ich es später. Die Tasche die ich verloren habe ist also so oder so verloren. Schade.
"Hm... Also werde ich mich eben umsehen müssen was es hier gibt.", dachte ich laut. Die Worte des Mannes noch im Hintergedanken.
Eine Treppe führt links nach oben, die Zimmer welche für uns reserviert waren. Manche waren unbesetzt, andere tragen die Namen der Personen welche hier sind, Zimmer 129 ist mein Zimmer. Ein Bett ist dort, ein Schreibtisch und eine angeschlossene Nasszelle mit Dusche und Klo.
Schlüssel oder Karten suche ich vergebens.
Aus Interesse zähle ich die Zimmer. Rund 30 Personen sind noch hier. Seltsame Namen wie Timoteus oder Undine sowie Elwira sind zu sehen. Hm...
An der anderen Treppe befinden sich die Fitnessräume und Sportgelegenheiten. In einem anderen Gebäude sind Sauna und Entspannungsräume. Auch ein großes Baumhaus mit Heimkino ist dort. Auch ein großer Garten und Tennis und Fussball oder Basketballanlagen sind vorhanden. Sehr nett.
So habe ich Zeit meinen Urlaub zu genießen und das letzte Geheiimniss zu sehen. Zwei Maschinen standen in der Mitte des Resorts. "Wetter" steht da dran.
Ich verbringe die Zeit des Tages damit diesen Ort zu erkunden und lege mich Nachts schlafen, ein Kalender zeigt September 1987 an. Ich mache das Licht aus und schlafe ein. Nach einer seltsamen Nacht mit konfusen Träumen erwache ich, sehe auf den Kalender. Seltsam, er zeigt bereits Oktober 1987 an. Irgendetwas kann hier doch nicht stimmen. Ich musste doch, wenn dies stimmte den ganzen Monat vergeudet haben. Ich musste zurück zur Arbeit, nicht das ich in diesem Sklaventreiberbetrieb doch noch gefeuert werden würde... Aber wenn ich das Gelände verlassen würde, würde ich sterben... Ich verstehe es nicht. Ich müsste diesen seltsamen Man treffen und befragen was hier los ist.
Kapitel 2:
Verfließende Leben


Ich suche diesen seltsamen Mann, zwei Tage lang. Doch niemand kann mir helfen. Mein Kalender zeigt nun Dezember 1987 an. Ich bin definitiv gefeuert. Wenn dieses Datum stimmt. Ich begegne einen ähnlich aussehenden Mann auf meinem Wege in den Fitnessbereich.
"Ich glaube du meinst Timoteus. Der hat gestern das Gelände verlassen dürfen.", sagt er wie selbstverständlich.
"Sehr selten darf einer von uns hinaus in die Welt ohne zu verschwinden... Wie wir es erfahren? Keine Ahnung. Wir wissen es eben. Ich werde lieber versuchen zu fliehen und verenden als nocheinmal 90 Jahre hier zu verbringen...", ich beginne nur langsam zu verstehen. Ich will endlich wissen was diese Zeitirrtümer bedeuten. Warum wir verschwinden.
"Hier ist ein Tag ein Monat in der Realität. Die Zeit die du hier bist, alterst du nicht. Ob du draußen wieder alterst weiß ich nicht. Warum das hier so ist? Keine Ahnung. Irgendetwas ist eben anders. Frage lieber Undine, sie ist bereits so um die zweihundert Jahre oder so hier. Sie ist gerade sicher im Baumhaus.", ich verstehe und befolge diesen Rat. Ich durchschreite den Weg zwischen den Fitnessbereich und stehe vor dem Baumhaus am Westlichen Rand des Geländes. Die Leiter knarrt ein wenig unter meinem Gewicht, ich denke mir das ich ein wenig mehr Sport treiben müsste denn Müßig zu sein.
Undine sitzt in der Stube des Baumhauses, ihr leicht artiquiertes Blaues Kleid unterstreicht das sie bereits einige Jahre hier ist.
"Ach du bist es.", bemerkt sie trocken.
"Lasse mich raten, du bist hier um zu wissen was es mit diesem Ort auf sich hat?", ich nicke und setze mich neben sie.
"Gut, ich werde es dir sagen. Aber vorher: Merke es dir gut was ich dir sage. Ich wiederhole mich nicht. Da ich Morgen nach zweihundert Jahren nun entgültig genug habe werde ich diesen Ort verlassen, egal was geschieht...", ich sage nichts, nicke nur und sehe sie neugierig an.
"Diese Anlage ist durch irgendeine Kraft entstanden. Man sagte alles wurde vor Dreihundert Jahren errichtet. Doch glaube ich eher das es einige Jahrtausende sein müssen und das Resort sein Aussehen ändert. Wie auch immer. Es wurde nicht gebaut, scheint aus den tiefen der Unterwelt zu entsteigen. Wenn du weiter als bis zum dritten Kellergeschoss gehst, stirbst du. Wenn du das Gelände ohne Erlaubniss verlässt ebenso. Wenn du die Regeln verletzt auch..."
"Regeln?", unterbreche ich sie unüberlegt.
"Ja, Regeln! Welche in etwa sind:
- Keine Beziehungen die zu Körperlichen Kontakt führen, sonst sterben beide.
- Keine Gewalt verüben gegen andere oder das Resort, sonst stirbt man.
- Kein Verlassen des Geländes, dann stirbst du ebenfalls.
- Unter Keinen Umständen an der Wettermaschiene herumspielen, es kann sein das einen Blitze erschlagen oder Eisbrocken aufspießen.

Aber wenn du gegen nichts verstößt kannst du ewig hier bleiben. Eigentlich..."
"Eigentlich?"
"Naja, manche bringen sich schon nach Hundert Jahren um. Den Tod um dich herum in diesem Falschen Paradies und nichts das dir etwas bedeutet, das bringt viele an den Rand der Verzweiflung. Und auch ich werde dieser Existenz Morgen ein Ende setzen... Ich denke es ist alles was du wissen musst. Ich will dir deine Zeit nicht verderben...", ich wende mich ab und steige die Leiter entlang und begebe mich zum Basketballplatz. Diese Worte dringen nur langsam in meine Gedanken vor. Ich verabschiede mich entgültig von der Illusion das dies ein normaler Urlaub sein kann und ich nur träume. Ich werfe einige Körbe, laufe und strecke mich um meinen Körper in Schuss zu bringen. Als Undine aus dem nichts hinter mir auftaucht.
"Bevor ich gehe, wollte ich dich etwas fragen... Hast du schon eine Frau geküsst?"
"Wa- Nein? Warum?"
"Naja, das wollte ich schon immer ausprobieren bevor ich gehe..."
Ich binn immernoch baff. Allerdings auch ziemlich angetan. Obschon ich keine Erfahrung mit sowas hatte war ich ebenfalls interessiert eine Frau zu küssen und erkläre mich mit hadern und zaudern bereit.
Wir küssen uns nur kurz und ich erfülle ihr ihren letzten Wunsch.
"Dankeschön. Ich spüre das du anders als die andern zu sein scheinst. Bewahre dir diesen Blick für das Besondere auf... Lebe wohl...", ich sehe ihr verwirrt hinterher. Und so muss ich verstehen was sie meint. Am Tage des Januar 1988 bemerke ich das sie und einige anderen Leute weg sind. Ich genieße ein Bad und versuche es nicht so eng zu sehen, denn noch entdecke ich jeden Tag neues. Neues und seltsames. So sehe ich nirgends wie die Kalender umgestellt werden oder jemand das Essen zubereitet. Es ist alles stets da wie ich es sehe. Ich überlege mir Nachts darauf zu warten wie es sich umstellt und setze mich auf mein Bett und starre auf den Kalender.
Kapitel 3:
Bröckelnde Fassaden


Ich starre nahezu ununterbrochen auf den Kalender, will sehen wann er sich umstellt. Doch irgendwie scheint er es nicht zu wollen. Zwei Uhr... Drei Uhr... Nichts passiert, außer das ich laut gähne und es schwer wird wach zu bleiben.
Ich schrecke nach gefühlten fünf Minuten auf, muss feststellen das es bereits wieder Hell ist und ich bemerkte das es bereits Februar 1988 war. Toll, denke ich und lege mi
ch nachdem ich den Rollladen herunter gelassen habe nun wirklich schlafen und wache erst Nachmittag wieder auf. Mir fällt auf das nur noch zehn Zimmer ein Schild tragen. Was ist mit all den Leuten geschehen, haben sie alle "Schluss" gemacht und sind verschwunden? Wenn das so weiter geht bin ich spätestens zum Beginn der 90er alleine hier denke ich. Auch durch meinen Weg zu den einzelnen Bereichen sehe ich kaum noch jemanden. Da ich es besser finde mich so zu beschäftigen, gehe ich durch das Haupthaus, biege einen Gang entlang und gehe sinierend in Richtung der Küche und berühre in zufälliger Reihenfolge die Wand an meiner Linken. Kurz bevor ich die Küche erreiche, bemerke ich wie meine Hand eine Klinke umfasst. Ich bemerke eine kleine fast unsichtbare Tür. "Kellereingang" steht da angeschrieben. Hm, eigentlich darf ich nicht in den Keller. Nicht zu weit.
Schließlich will ich nicht sterben. Noch nicht. Seltsam, die Wände sehen so aus als wären sie nicht gebaut sondern als wären sie gewachsen... Bizarr...
Ich denke nach und verschwinde lieber aus dem Keller.
An der Oberfläche angekommen gehe ich in mein Zimmer. Ich versteh noch immer nicht alles, etwas das sich mir als unangenehm darstellt, komme ich mir vor wie ein dummes Kind. Ich hoffe nooch immer das dies nur ein Traum ist und ich irgendwann im Sommer 1987 erwache... Doch je mehr Tage ich hier verbringe, beziehungsweise Monate, umso seltsamer scheint alles zu werden. Im Jahr 1991 im Wintermonat November sehe ich wie mehrere Einwohner versuchen sich an der Wettermaschine zu schaffen zu machen. "Was zum...?", denke ich und sehe wie diese Maschine bereits seltsam knirscht. Alarm, Alarmn heiß es als sich bereits dunkle Wolken auftürmen, es stürmt, Donner hallt und Blitzschläge fahren herunter. Ich wende mich ab, fahre zusammen als mich so ein Blitz fast erschlägt. Wie es klingt hat ein anderer Blitz einen Menschen getötet. Was ich nicht sehe ist wie Eiskristalle zu beängstigen Gebilden heranwachsen. In meiner Panik laufe ich Kopflos in Richtung des Badehauses, knalle die Tür zu und verstecke mich an einer Wand. Krachende Laute sind zu hören die mich erzittern lassen, etwas durchstößt die Wand. Wie risige Dolche die mit unglaublicher Macht geschleudert wurden. Ich krieche unsicher zitternd von der Stelle an der ich hockte und als ich mich umdrehe bleibt mir fast das Herz stehen. Drei Eisdolche ragen nur knapp neben der Stelle an der ich hockte und hatten mich fast aufgespießt. Es ist nur schwer zu ertragen was ich danach sehe: dutzende Bewohner liegen aufgespießt oder von Blitzen erschlagen auf dem Rasen. Viele Namen erlöschen aus den Schildern. Die Toten verschwinden wie alles andere ohne Hilfe im Nichts. EIn Alptraum welcher mich bis in die Mitte der Neunziger Jahre beschäftigt, nun da ich alleine in diesem Resort bin.

Fortsetzung folgt.
 
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