Zwischen Komplexität und Popstruktur

Vince

Bekanntes Gesicht
Mitglied seit
19.08.2006
Beiträge
1.331
Reaktionspunkte
0
Hallo!

Ich würde mal ganz gerne weg von spezifischen Bands und rein in das grundlegende Wesen von Musik, deswegen dieser Thread. Eines der für mich faszinierendendsten Phänomene in der Musikwelt ist der (gleitende?) Übergang von der Einfachheit von Popstrukturen, wie man sie vor allem im Mainstream findet, und der komplexen, verspielten Struktur, die man in Formvollendung etwa im progressiven Bereich vorfindet.

Ich komme deswegen darauf: Eigentlich habe ich mich speziell in den letzten Jahren vom Mainstreamkind - ich kann noch förmlich den Druck auf mir spüren, das hören zu müssen, was alle hörten - zum Fan progressiver Musik entwickelt. Das ging recht gleitend: Es begann mit den Guns 'n' Roses (naja, vorher gabs noch Michael Jackson, Dancefloor- und Hardcorephasen, das lasse ich jetzt mal raus), dann kamen Grunge (Nirvana, Silverchair), Crossover (H-Blockx) und glatter Nu Metal (Linkin Park, Limp Bizkit), schließlich bin ich bei Tool und Konsorten gelandet und bekomme kaum noch genug davon. Trotzdem ist heute mal wieder ein ganzer Haufen eher poppiger CDs in den Warenkorb gewandert - die letzten beiden Hoobastank-CDs etwa, das mir noch fehlende Audioslave-Album Nr. 2 und sogar "Stadium Arcadium" von den Peppers, mit denen ich mich seit "One Hot Minute" schon nicht mehr befasst habe.

Ich bevorzuge komplexe Musik inzwischen zwar deutlich, weil ich in ihr auch semantische Überlegenheit gegenüber der gängigen Popmusik erkenne, komme aber dennoch immer mal wieder auch auch einfachen, eingängigen Stoff zurück. Auch meine alten Platten aus der Richtung verstauben nicht, sondern finden immer mal wieder den Weg in den Player.

Und jetzt würde mich halt interessieren, wie ihr das Verhältnis zwischen diesen beiden Extrempolen betrachtet, zu wessen Anhängerschaft ihr euch eher zählen würdet und weshalb.
 
Nachdem meine "Hitparade im ZDF"- und "Charts"-Phasen überwunden waren (ich war jung :rolleyes: ), habe ich durch die Scorpions, Warlock und vor allem Black Sabbath die heftigere Musik für mich entdeckt. Danach kam die "Lauter, schneller, härter"-Phase: Speed-, Thrash-, Death Metal und Grindcore waren neu und aufregend; es gab nichts Besseres, um Eltern und auch Freunde zu schockieren :D . Auf Dauer wurde es allerdings etwas monoton - da kam der Progressive-Metal genau recht. Psychotic Waltz, Dream Theater oder Fates Warning haben zeitlose Klassiker geschaffen (und tun es teilweise noch heute), die wohl auch in 20 Jahren noch gehört werden. Irgendwann begann ich, die Wurzeln dieser Bands zu ergründen und stiess zwangsläufig auf Pink Floyd, Genesis, King Crimson oder Marillion.

Seitdem erweitert sich mein musikalischer Horizont ständig. Ich bevorzuge zwar klar komplexere Sounds aus fast allen Genres, bin aber ebenso für eingängige Musik, gerne auch aus dem Popbereich, zu haben - wenn sie gut gemacht ist und nicht wie ein Klingelton klingt. Es spricht nichts dagegen, eine gute Scheibe von A-ha oder Chris de Burgh (ja, auch der hat einige gute Alben veröffentlicht) einzuwerfen.

Etwas schwer tue ich mir mit vielen Nu Metal-Bands (wobei es auch da löbliche Ausnahmen gibt), Jazz, klassischer Musik und neuzeitlichem Extrem-Krach im Stil von Meshuggah (nennt man doch Math-Core, oder?) Aber das kann sich durchaus noch ändern...
 
Zuletzt bearbeitet:
Despair schrieb:
und neuzeitlichem Extrem-Krach im Stil von Meshuggah (nennt man doch Math-Core, oder?)

Glaube schon, passt jedenfalls ganz gut. Polyrhythmik halt. Für Meshuggah habe ich schon eine kleine Schwäche, obwohl ich sonst in dem Bereich nicht so sehr viel höre. In diese technische Interpretation von Musik musste ich mich auch erstmal eingewöhnen. Hängt ja auch wiederum ganz entfernt mit Industrial zusammen. Zu Meshuggah bin ich auch über die Nine Inch Nails, dann über Fear Factory gekommen. Hier ist ja auch wieder zu fragen, ob man betont schnelles Spiel wie bei Speed Metal oder eben Math-Core auch als komplex definieren würde oder ob sich das jenseits dieser Kategorie bewegt. Denn prinzipiell ist das Spiel hier ja eher statisch, allerdings wird es ja doch irgendwo durch die Schnelligkeit komplex, wenn man so will.
 
Vince schrieb:
Hier ist ja auch wieder zu fragen, ob man betont schnelles Spiel wie bei Speed Metal oder eben Math-Core auch als komplex definieren würde oder ob sich das jenseits dieser Kategorie bewegt. Denn prinzipiell ist das Spiel hier ja eher statisch, allerdings wird es ja doch irgendwo durch die Schnelligkeit komplex, wenn man so will.

Das kann ich leider schwer beurteilen, da ich kein Instrument spiele und dementsprechend auch vom Komponieren keinen blassen Dunst habe. Vielleicht können wir uns auf "für einige Ohren schwer konsumierbar" einigen. Als "komplex" würde ich eher ausuferndes Songwriting im Stil von Dream Theater oder Tool bezeichnen; also Musik, in der eingängige Parts und Frickeleien zu einem großartigem Ganzen zusammengefügt werden. Eine technisch hervorragende Band ist ja nicht automatisch ein Garant für exzellente Songs.
 
Also bei mir ist es im Prinzip ganz anders ;)

Meine Musikanfänge waren eher im HipHop Bereich -> Eminem
Die ersten "rockigeren" Sachen kamen dann mit P.O.D. und (ebenfalls) Linkin Park - Rap war immernoch enthalten.
Es war nicht so,ob wär ich auf Rap angewiesen gewesen,er hat mir einfach - auch in "härterer"Musik - gefallen.
Dann hab ich meinen Horizont lange Zeit nicht erweitert, als mein anfing Rage against the Machine zu mögen ,hielt ich es für grauenvoll ;)
Dann kam ich ein bisschen in Pennywise rein, dadurch etwas mehr in Punkrock- aber auch nicht so sehr, hauptsächlich Pennywise und NOFX. Später kam dann Bad Religion dazu.
Durch das Lied "Prowler" hab ich mich in Iron Maiden verliebt,die ich nun auch sehr viel hör.
Auch an Rage against the Machine fand ich immer mehr , heute lieb ich sie.
Von Nu Metal kam ich wieder recht schnell los, jetzt hab ich keine RICHTIGE Lieblingsmusikrichtung.
Von meien 5 Lieblingsbands sind 3 aus dem Punkrock Bereich,aber ich kann nicht sagen,Punk ist meine Lieblingsmusikart; dafür lieb ich Iron Maiden und Rage against the Machine zu wenig.

Ich schweif ab ;)
Als ich Vicarious von Tool das 1. mal hörte,hab ich mich auch in diesen Stil etwas verliebt ;) ,jedoch kann ich Tool nicht SO viel hören,da sie zwar ihren eigenen saucoolen Stil haben, diesen INSGESAMT aber etwas zu unabwechslungsreich für mich spielen. Das heißt mir reicht es eine handvoll Lieder zu kennen und es macht mich nicht sonderlich an die 2 Alben die ich auf dem PC hab zu hören.

Das Progressive ist nicht unbedingt etwas für mich.
Ich BRAUCH keine simplen Mitsing Refrains und so weiter..insgesamt kann ich mich kein bisschen beschränken.
Ich mein,auch wenn ich mich selber wohl als "MetalPunkRockHippie" bezeichnen würde, hör ich sogar manchmal noch HipHop (aber nich so dt. "Gangsta Rap" oder so ;) )

Ach ich seh schon ich verfehl das Thema etwas..
Naja egal..
6 :)
 
DaveTheBrave schrieb:
Ach ich seh schon ich verfehl das Thema etwas..

Wobei ich zugeben muss, dass das Thema vielleicht auch etwas schwer zu greifen ist... also: kein Problem. ;) Ich wollte halt mal mal auf ein paar tiefergehende Dinge hinaus, die mir beim Musikhören oft im Kopf herumspuken... und dazu gehört eben unter anderem der Grad der Komplexität. Auch deswegen, weil ich in der progressiven Musik Dinge wiederfinde, die ich schon im New Metal geschätzt habe. Etwa das Leise-Laut-Schema, das für den New Metal ja geradezu klassisch ist, das man aber eben auch - selbstverständlich viel feiner ausgearbeitet - im Progmetal findet. Es gibt da also ganz klar offene Grenzen, über die man dann auch in andere musikalische Gefilde findet. Und diese Grenzen überschreiten auch die Kluft zwischen einfachen Popsongs und komplexer Musik.
 
Vince schrieb:
Wobei ich zugeben muss, dass das Thema vielleicht auch etwas schwer zu greifen ist... also: kein Problem. ;) Ich wollte halt mal mal auf ein paar tiefergehende Dinge hinaus, die mir beim Musikhören oft im Kopf herumspuken... und dazu gehört eben unter anderem der Grad der Komplexität. Auch deswegen, weil ich in der progressiven Musik Dinge wiederfinde, die ich schon im New Metal geschätzt habe. Etwa das Leise-Laut-Schema, das für den New Metal ja geradezu klassisch ist, das man aber eben auch - selbstverständlich viel feiner ausgearbeitet - im Progmetal findet. Es gibt da also ganz klar offene Grenzen, über die man dann auch in andere musikalische Gefilde findet. Und diese Grenzen überschreiten auch die Kluft zwischen einfachen Popsongs und komplexer Musik.
Ja,gut, ich versteh nicht genau wie du das unterscheidest.
Gibt es nur "komplexe Musik" und "Pop Musik"? Zumindest stellst du es in meinen Augen so dar.

Ist dann auch Oi! Oi! Punkrock "Komplexe Musik"?
 
DaveTheBrave schrieb:
Ja,gut, ich versteh nicht genau wie du das unterscheidest.
Gibt es nur "komplexe Musik" und "Pop Musik"? Zumindest stellst du es in meinen Augen so dar.

Nein, natürlich nicht! Es ist nur eine Facette aus unzähligen, die ich in diesem Thread herausheben wollte, weil ich es einfach interessant finde zu überlegen, was genau an der Verspieltheit einer Band wie Tool so fasziniert und was zum Beispiel den betont simplen Punk mit seinen wenigen Riffs phasenweise so erfolgreich gemacht hat. Es geht mir selbstverständlich in keiner Weise darum, Musik im Allgemeinen auf das Spektrum zwischen Komplexität und Einfachheit zu reduzieren...
 
Vince schrieb:
Nein, natürlich nicht! Es ist nur eine Facette aus unzähligen, die ich in diesem Thread herausheben wollte, weil ich es einfach interessant finde zu überlegen, was genau an der Verspieltheit einer Band wie Tool so fasziniert und was zum Beispiel den betont simplen Punk mit seinen wenigen Riffs phasenweise so erfolgreich gemacht hat. Es geht mir selbstverständlich in keiner Weise darum, Musik im Allgemeinen auf das Spektrum zwischen Komplexität und Einfachheit zu reduzieren...
Ja,so sah es für mich halt ein bisschen aus.

Und selbst IM PunkRock Bereich kann man viel viel unterscheiden.
Wenn ich mir (vor allem neurere (-->1996 und neuer)) Bad Religion Scheiben anhör,hört sich das schon etwas popig, Mainstream mäßig an.
Immer Refrains, viel "aaah ooooh" Gesänge..sehr melodisch -> Trotzdem noch schnell,manchmal härter, und nicht im Pop Bereich.
Wenn ich mir dagegen NOFX anhör - Die wirken auch viel verspielter, scheinen weniger von klaren Strukturen (Intro,Vers,Refrain,Vers,Refrain,(solo?) Bridge, Refrain) zu halten, machen Refrains wann immer sie Lust haben,spielen auch mal einfach so ein 1 minütiges Lied im Speed Punk Stil durch,haben aber auch ein 18-minütiges (geniales ;) ) Punk Lied.

Aaah wie ich das Thema verfehl :D Trotzdem interessant ;)
 
Vince schrieb:
Und jetzt würde mich halt interessieren, wie ihr das Verhältnis zwischen diesen beiden Extrempolen betrachtet, zu wessen Anhängerschaft ihr euch eher zählen würdet und weshalb.

Ich gehöre zur Anängerschaft von guter Musik, und die kann aus jedem Bereich sein. Ich höre gerne modernere prog-bands wie dredg (v.a. die ersten beiden Alben) und hin und wieder auch Tool, auch gerne älteren Prog (Yes) und Art-Rock (ältere Genesis-Scheiben z.B.), im Gegenzug aber auch "einfache" Musik.

Musik als Kunstform muss ja nur etwas ausdrücken, und das kann sie auf jegliche Art und Weise.
 
Also ich kann noch dazu sagen,dass so richtig geradlienige Musik,ohne Überraschungen oder so, die man wirklich mit dem Wort "Mainstream" (aber nicht unbedingt als schlecht) bezeichnen kann, mir eigentlich sehr sehr sehr selten gefällt ;)
 
Zurück
Oben Unten