Das ist mal wieer eine Äpfel&Birnen-Vergleich:
Zum einen leben in Schweden nur knapp 10 Mio. Menschen und zudem konzentriert sich dort die Bevölkerung hauptsächlich auf die südlichen Landesteile. Da ist es es wesentlich einfacher, das komplett Land effektiv zu "verglasen".
Südkorea wird auch immer gerne als Beispiel genommen. Allerdings hatten die bis weit in die 80er/90er-Jahre fast überhaupt keine Telefoninfrastruktur. Natürlich hat man dann die Ersterschließung per Glasfaser gemacht. Gleiches gilt für Rumänien und andere Länder aus dem ehemaligen Ostblock.
Der Breitbandausbau in D hat folgende Probleme:
- großflächige Verteilung der Bevökerung - auch auf dem Land; ISPs sind aber wirtschaftliche Unternehmen -> es wird dann natürlich vorragig dort investiert, wo man die Kosten auch schnell wieder rein bekommt, also in Ballungsgebieten
- Bürokratie (Genehmigungen für Tiefbauarbeiten im öffentlichen Raum ziehen sich schon mal 6 Monate hin)
- die Telekom hat ihr Kupfernetz quasi kostenfrei von der BRD/Bundespost geerbt und reizt dessen Kapazitäten erst einmal mit Vectoring aus. Der großflächige Glasfaserausbau kommt jetzt langsam erst langsam ins rollen. Auch dank großzügiger EU-Fördermittel
- andere Anbieter beteiligen sich kaum am Ausbau, da es für sie (dank wettbewerbsverzerrender Regulierung durch die Bundesnetzagentur) billiger ist, sich als Carrier in die Infrastruktur der Telekom einzumieten
- Kabelnetzbetreiber haben zusätzlich schon viel für den Ausbau getan, allerdings ist das Koax-Netz auch nur eine Überbrückungslösung, da es ursprünglich nie für eine bidirektionale Datenübertragung gedacht war.
--> Deutschland kommt um einen flächendeckenden Glasfaserausbau nicht drumherum. Das düfte jedem klar sein. Allerdings kann dies nicht ein Unternehmen alleine stämmen. Zudem ist man hier massiv auf die Unterstützung der Kommunen, Länder und der EU angewiesen.