Skyrim-Wartezeit mit Ultima Underworld 1 und 2 überstehen

StHubi

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So ergeht es vielen jungen Gamern und Gamerinnen: Man hat das wohl großartigste Spiel aller Zeiten vorbestellt und muss noch Wochen, wenn nicht sogar Monate darauf warten (meine Idee den September und Oktober zu überspringen wurde leider abgewiesen). Da man aber so wahnsinnig war und sich für die verdammt teure Collector's Edition von Skyrim (oder eurem persönlichen Blockbuster 2011) entschieden hat, bleibt aber nicht mehr genug Geld in der Kasse, um sich andere neue Spiele zu holen. Doch es muss ja nicht immer was neues sein!

Ich habe die ultimative Lösung für euch, die ihr für wenig Geld kaufen und spielen könnt UND vielleicht dabei sogar mehr Haare auf dem Kopf und mehr Tinte auf dem Füller bekommt!
Zufälligerweise passt das sogar in meine Blog-Serie über die Ultima-Reihe, wenn ich auch hier einen anderen Stil als sonst wähle. Das Spiel an sich hat ja auch einen ganz anderen Stil gehabt.

Ultima Underworld ist der irgendwie peinliche, leicht inkontinente aber immer noch sympathische Urvater der Elder Scrolls Reihe, über den man gerade bei Bethesda wohl eher ungern spricht. Es erschien bereits 1992, zwei Jahre vor The Elder Scrolls 1: Arena. Mit guten Spielen ist es wie mit Weinen, je länger man weint, desto mehr Mitleid bekommt man. Es ist vermutlich das erste Spiel in flüssiger 3D-Grafik gewesen, bei dem man springen und in Echtzeit kämpfen kann, während im Hintergrund ein für Rollenspiele typisches Regelwerk das Ergebnis einer Aktion bestimmt. Das war damals innovativ und heute noch ein Garant für stundenlangen Spielspaß. Wer jetzt widerspricht, stellt sich bitte in die Ecke und schämt sich ein paar Minuten.
...
Wieder da? Gut, es kann weiter gehen
Ultima Underworld I ? Hot in the Volcano City ? Hot in the City tonight
Der erste Teil Ultima Underworld ? The Stygian Abyss hatte eine recht simple Story für den Einstieg. Die ist sogar so simpel, dass sich anscheinend niemand in der Spielwelt von Ultima daran erinnert. Selbst in den "Geschichtsbüchern", die jedem Spiel der Serie beiliegen, wird nichts davon erwähnt, eine unvergessliche Geschichte sieht anders aus. Aber vielleicht wollten die Einwohner der Spielwelt einfach sicher gehen, dass ihnen niemand ihre Ausgabe von Ultima Underworld klaut?

Die Story des ersten Teils spielt etwa 120 Jahre nach Ultima VI und der Avatar (unsere Spielfigur) wird eines Nachts nach Britannia teleportiert und das sogar ohne Mondtor, was sofort jeden Ultima-Fan wuschig werden lässt. Das riecht nach wilden, nächtlichen Abenteuern!
In Britannia landet er dann in seiner Unterwäsche im Schlafzimmer einer Prinzessin, die aber leider gerade entführt wurde - was für eine Enttäuschung und verpasste Gelegenheit. Der Entführer lacht noch dreckig (vermutlich fand er den Didl-Boxershorts des Avatars zum Schreien komisch) und die Wachen stürmen das Schlafzimmer und benutzen ihre schrecklich schiefe Sprachausgabe, um den Avatar zu überwältigen und festzunehmen. Der Vater der Prinzessin schickt den Avatar dann in den "Stygian Abyss", der aus irgendeinem unerklärlichen Grund in eine Siedlung umgewandelt wurde, um seine Tochter zurück zu holen. Widersprechen kann der Avatar nicht, da die Sprachausgabe des Vaters noch viel übler ist und man sehr gern den Raum ohne Hörschaden verlassen will.

Doch wie war das? Wir werden in den Stygian Abyss geschickt? Wir erinnern uns:
In Ultima IV war der Stygian Abyss der letzte, finale und absolut infernale Dungeon! Jetzt wurde dort laut dem Vater eine Siedlung darin gegründet? Wie kann man auf die Idee kommen in einem Vulkan eine Siedlung zu bauen?!? Aber wer bin ich schon, dass ich das in Frage stelle... Die beiden Siedlungsgründer waren ja mächtige Magier, die packen das schon. Wobei ich in Ultima IV jeweils auf der höchsten Stufe einen Druiden, einen Magier, einen Barden, einen Krieger, einen Schafhirten, einen Kesselflicker, einen Paladin und einen Waldläufer im Team hatte und trotzdem ewig brauchte um dort den Codex der Ultimativen Weisheit zu finden! Wenn man es genau bedenkt, war meine Party vielleicht sogar die Gründergemeinschaft? Schöner Sterben und Leben im Stygian Abyss sozusagen.

Also macht der Avatar sich auf die Prinzessin zu retten, ganz ohne Pilze und Feuerblumen sondern mit 3D-Grafik aus der Egoperspektive und einem ziemlich komplexen Regelwerk. Man sammelt Erfahrungspunkte für besiegte Gegner und kann mit den friedlicheren Einwohnern des Untergrunds reden. Dabei wird es aber schon etwas untypisch für Ultima Spiele, da man jetzt nicht mehr einzelne Worte sondern ganze Sätze wählen kann! Vermutlich hat der Avatar dieses Mal einen über den Durst getrunken und so eine lockerere Zunge als sonst.
Ultima Underworld II ? Dicke Avatare ohne Skills aus deiner Nachbarschaft
Im zweiten, technisch weiter entwickelten Teil wurde die Story von Ultima VII - The Black Gate fortgesetzt. Etwa ein Jahr nach dem Sieg des Avatar über den Guardian, feiert Lord British das Fest des Wiederaufbaus und lädt den Avatar ein (seltsamerweise wurde die Band Blind Guardian nicht eingeladen). Der Avatar war wohl stinkend faul, denn alle seine Super-Attributswerte aus Ultima VII ? The Forge of Virtue sind verloren gegangen. Außerdem hat er sich aus irgendeinem Grund entschieden in simplen Ledersachen statt der magischen Ausrüstung zu erscheinen. Vermutlich hat er den Begriff "casual wear" auf der Einladung einfach falsch verstanden.
In der Nacht erscheint dann plötzlich eine Kuppel aus Schwarzgestein, die das gesamte Schloss umschließt. Niemand kann mehr das Schloss verlassen oder hinein. Der Guardian verspottet die anwesenden und verkündet, dass alle im Schloss verrotten werden, außer sie schließen sich ihm an.

Der Avatar versucht natürlich aus dem ganzen heraus zu kommen, und untersucht das Schloss von oben bis unten. Im Keller findet er dann schließlich Portale in andere Welten, wo er nach und nach den Schlüssel zur Befreiung aus dem Schwarzgestein finden wird.
Die üblichen Welten wie eine Feuer- oder Eis-Welt sind ebenso dabei wie eine "Strichmännchen-Grafik-Welt" wie damals in den Dungeons von Ultima I bis IV. Man hat also auch hier wieder den typischen Ultima Humor eingebaut, der mir im ersten, viel ernsteren Teil noch größtenteils fehlte (es gab auch ein paar Gags, aber die waren schwer zu finden). Dafür legt der zweite Teil ein sehr viel gemächlicheres Tempo vor, was die Spannungskurve betrifft. Hier muss man anfangs teilweise sehr umfangreiche Gespräche führen, bis mal ein Gegner auftaucht. Aber dann nimmt das Spiel eine Fahrt auf und vor allem Dimensionen an, die es wiederum einzigartig machen und vom Vorgänger abheben.
Das etwas andere Ultima-Spielsystem
Am Anfang beider Spiele stand die Auswahl der Klasse für den Avatar. Ihr habt richtig gelesen! In diesem Spiel hat der Avatar (wieder) eine Klasse! Bisher war das einfach Avatar und gut war, aber jetzt hat der feine Herr wohl das eine Jahr in Britannia bzw. die Zeit in unserer Welt vor Ultima Underworld ? The Stygian Abyss genutzt, um ordentlich Attributs- und Fertigkeitspunkte zu verlieren und eine Grundausbildung in einer der acht möglichen Klassen abzuschließen. Immerhin ist die Rasse weiterhin auf Mensch festgelegt und man darf sich wieder ein Portrait aussuchen, das je nach Charisma Wert unterschiedlich freundlich in den Dialogen dreinblickt.
Auch das Magiesystem ist komplett umgebaut worden. Um Zauber zu wirken, muss man Runen finden und diese in einer bestimmten Reihenfolge anordnen. Man kann sich immer einen Zauber parat legen und bei Bedarf diesen auswählen und wirken. Immerhin repräsentieren die Runen die Worte der Zauber aus älteren Ultima Spielen. Ansonsten hat das Magiesystem aber keine Gemeinsamkeiten mit der Hauptserie.

Wie schon in den normalen Ultimas gehört eine ausgewogenen und Vitamin reiche Nahrung zum Alltag des Avatars - ich empfehle mindestens drei Schweinshaxen pro Tag pro Charakter. Auch Trinken sollte man ab und zu auch mal was. Der Avatar bekommt Hunger und der muss gestillt werden. Um den Realismus noch höher zu schrauben, nutzt Ausrüstung sich ab und man muss sie reparieren lassen oder selber Hand an den Ambos anlegen. Wie effektiv er beim Reparieren ist, bestimmt seine Fertigkeitsstufe in Reparieren. Überhaupt hat dieser Ableger der Ultima-Reihe ein umfangreiches Fertigkeitensystem, wie es bisher noch nie in einem Ultima Spiel vorkam. Für jeden Waffentyp gibt es eine eigene Fertigkeit, was Spezialisierungen zwingend erforderlich macht. Leider gab es im 1. Teil recht spät im Spiel ein richtig starkes Schwert. Ohne Schwert-Fertigkeit war das dann aber alles andere als nützlich.

Durch Kämpfe sammelt der Avatar Erfahrungspunkte und kann nach einem Stufenaufstieg an einem der acht Schreine der Tugenden meditieren, von denen jeweils einer auf jeder Ebene des Stygian Abyss errichtet wurde - wieder dieser Fetisch mit der Zahl 8! Es ist also definitiv ein Ultima! Mit den passenden Mantras, die man durch Gespräche, das Handbuch oder Rätsel findet, steigert man dadurch die Fertigkeiten und Attribute des Avatars. Im zweiten Teil lässt man sich von NSCs in den einzelnen Fertigkeiten und Attributen trainieren. Das war meist etwas umständlicher, da man jedes Mal den passenden Lehrer suchen musste. Realistischer war es dafür aber auf jeden Fall.

Beide Spiele spielen sich auch heute noch sehr gut, nur das etwas klein geratene 3D-Fenster ist inzwischen gewöhnungsbedürftig geworden. Doch das Dungeon-Design sowie die Rätsel und das Regelwerk müssen auch heute keinen Vergleich mit aktuellen Spielen scheuen. Damals waren die Spiele technisch eine kleine Revolution. Allein die Möglichkeit nach oben und unten zu schauen (auf Tastendruck, nicht mit der Maus) war beeindruckend. Die Bedienung entspricht natürlich heute keinem typischen First Person Rollenspiel mehr. Per Maus lassen sich ALLE Kommandos eingeben und die Tastatur ist nur eine alternative, umständlichere Bedienungsmethode.
Benny, das macht keinen Spaß!
Ebenfalls revolutionär war die kommentierbare Dungeon-Karte. Allerdings durfte ich damals selbst Zeuge davon werden, wie lästig das sein kann! Ein Kumpel von mir hat zwanghaft stundenlang versucht ALLE seine Einträge korrekt übereinander zu schreiben, was aber aufgrund der unfeinen Maussteuerung kaum möglich war. Es war RICHTIG langweilig ihm zu zusehen, wie er Pixel für Pixel die Maus bewegte und nach dem Schreiben den Satz wieder löschte und dann wieder die Maus Pixel für Pixel?

Benny, das hat keinen Spaß gemacht! So? Jetzt habe ich es gesagt! Wurde nach knapp 18 Jahren ja auch mal Zeit. Ich kann mich leider nicht daran erinnern, ob ich es damals schon gesagt habe.
Abschließende Worte/Erlösung/Empfehlung
Bei beiden Teilen will ich in der Story nicht all zu tief ins Detail gehen. Allerdings sollte ich euch vorwarnen, dass die Grafik schon ein wenig angestaubt wirkt. Oft hat man auch das Gefühl gar keinen Teil der Ultima-Reihe zu spielen, da viele Dinge einfach komplett anders funktionieren, als man es als routinierter Avatar erwarten würde. Immerhin sind die Spiele für sich genommen problemlos spielbar, auch wenn man sich vermutlich als Fan der Serie mehr über die vertrauten Gesichter im zweiten Teil freut.
Wer also schon immer mal den härtesten Dungeon von Ultima IV sehen wollte, aber wegen der schlechten Grafik Angst vor Ultima IV hatte (das man jetzt übrigens kostenlos herunterladen kann), wird dies mit Ultima Underworld vielleicht eher versuchen. Freunde rustikaler Schlösser mit weitläufigen Kellergewölben kommen dagegen mit Ultima Underworld 2 voll auf ihre (immerhin sehr geringen) Kosten.
 

LORDOUZO

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Mal ein Blog mit ner Infoflut. Ich las nur was von Skyrim. Und dacht mir schaust ma rein. Und dann kommt sowas bei rum. Daumen hoch Hubi.
Top geschrieben. Schön übersichtlich.....Elitestyle XD

Mfg LORDOUZO
 
TE
StHubi

StHubi

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Danke für das Lob!

Ich fürchte nur, dass der Blog entweder auf SEHR wenig Interesse gestoßen ist oder einfach in der momentanen Blog-Flut untergegangen ist. Na ja... Kann man nichts machen, außer warten und hoffen.
 

LORDOUZO

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kenn ich auch. da kommt die ganze Zeit nichts an Blogs, und wenn man denn einen Blog abschickt.
Kommen komischerweise gleich 2-3 andere hinterher. Manchmal doch etwas kurios. Nun ja.
 

d.night

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hab ich nun endlich deinen Blog gelesen.

Was soll man groß sagen? Infotainment der Spitzenklasse, so und ähnlich sollten meiner Meinung nach Spiele getestet werden.

Ob ich je ein Ultima spielen werde? Nun, auf dem Netbook (10 Zoll ^^) sicher kein Genuss und das liest sich für mich auch immer seeeeeeeeeeehr umfangreich. So wenig wie ich zocke...aiaiai.
Aber dank deinen Blogs kenn ich die Ultima Spiele jetzt zumindest ein bissi. :)
 
TE
StHubi

StHubi

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Ich könnte mir fast vorstellen, dass es auf einem 10 Zoll Netbook noch ganz gut aussieht. Immerhin sind es ja nur 640x480 Pixel, die dargestellt werden müssen :)
Andererseits sind die Spiele wirklich immer sehr umfangreich. Da wirst du wohl wirklich nicht all zu viel erreichen können...

Danke für die positive Kritik.
 

Pain217

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Ausführlich geschrieben und wie immer gut, durch deine Blogs lernt man die Altenzeiten wieder richtig kennen, oder wie bei mir lernt was dazu. Ich weiß nicht, für mich hören sich die Ultima Spiele nach ziemlich viel Frust an, wenn die anfangs Planung nicht gut überlegt war.
 
TE
StHubi

StHubi

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@Pain217: Da könntest du wohl recht haben! Gerade die Underworld Spiele waren SEHR schwer. Aber dennoch musste man es halt schaffen. Das war quasi zwanghaft für die Fans damals... Bis zu Teil.... Na... Das verrate ich irgendwann in einem neuen Ultima Blog ;)
 
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